Eines späten Vormittags, als der Herr Ministerpräsident Günther Oettinger nach wohlverdientem Schlummer aufzustehen geruhte, um sich den Regierungsgeschäften Baden-Württembergs zuzuwenden, fiel sein Blick auf eine Untersuchung, die ihm einer seiner Untergebenen in den frühen Morgenstunden auf den Schreibtisch gelegt haben musste. Es ging um den Zusammenhang von Lernfähigkeit und frühem Aufstehen. Am kreativsten und leistungsfähigsten, stand da, sei der Mensch am späten Vormittag, sofern er zuvor genug geschlafen habe. Und weil der Vormittag spät war und weil der Ministerpräsident auch gut geschlafen hatte, durchfuhr ihn sogleich ein Geistesblitz, und er rief: In Zukunft soll in Deutschland kein Kind mehr vor 8.30 Uhr in die Schule müssen!

Das ist, wenn man einmal darüber geschlafen hat, ein vernünftiger Vorschlag, und in vielen Ländern, wo die Kinder aus rätselhaften Gründen mehr lernen als hierzulande, hält man es schon immer so. In Deutschland, andererseits, gilt wenig zu schlafen als vorbildlich, und wenn einer irgendwo scheitert, dann heißt es, da hätte er früher aufstehen müssen. Darum erklärte der Philologenverband, dessen Chef selbstverständlich immer früh aufsteht und darum selten gute Einfälle hat, dass der deutsche Sonderschulweg noch niemandem geschadet habe und alles so bleiben müsse, wie es sei. Und die Deutschen, allesamt vom frühen Aufstehen übermüdet, nickten.