Zeil

Es scheint eine vergnügliche Veranstaltung gewesen zu sein. Die Marathonläufer genossen den Rundkurs durch den herbstlichen Wald, berichtete die Regionalzeitung über den Novemberlauf des Turnvereins im kleinen Zeil am Main. Aber merke, selten ist ein Vergnügen umsonst zu haben.

Schnell meldete sich das Unternehmen Bayerische Staatsforste bei den Organisatoren - um die Bezahlung des Eintrittsgeldes für seinen Wald anzumahnen. 500 Euro sollte die Nutzung der Waldwege zum Zwecke des gemeinsamen Laufens kosten.

Eintrittspreise für den Wald? 2004 war der Waldlauf in Zeil noch gratis. Doch inzwischen hat die Bayerische Staatsregierung in München die Forstreform umgesetzt. Die behäbige Forstverwaltung wurde gegen den Protest von Opposition und Umweltschützern in eine Anstalt des öffentlichen Rechts umgewandelt, deren Zweck ausdrücklich die Gewinnerzielung ist. Aus dem Verlustbringer Staatswald soll ein Profitcenter werden. Warum soll man dem Bürger etwas so Schönes wie den Wald kostenlos zur Verfügung stellen? Bayerns Finanzminister Kurt Faltlhauser (CSU) erhofft sich von seinen Waldbenutzungsgebühren eine ordentliche Spritze für den Landeshaushalt.

Nicht nur Zeil bekam den neuen Wind zu spüren, der durch die staatlichen Wälder weht. Im ganzen Land häufen sich in den vergangenen Monaten die Proteste von Wandervereinen, die bei Volksläufen im Staatsforst plötzlich zur Kasse gebeten wurden. Es traf aber auch Ortsvereine des Arbeiter-Samariter-Bundes, die mit ihren Rettungshunden im Wald trainierten, sowie mehrere Teams des Bayerischen Rundfunks, dievor grüner Kulisse aktuelle Beiträge drehen wollten. Selbst die katholische Kirche bekam eine Rechnung zugestellt - für die Prozession zu einer im Staatsforst gelegenen Wallfahrtskirche. Ein Sakrileg im immer noch sehr katholischen Bayern. In Zeil ging es übrigens nicht nur um die Gebühr für den Waldmarathon - bei den Ausrichtern eines traditionellen Waldfestes brachte die Forstverwaltung sogar die Idee einer Gewinnbeteiligung ins Spiel. Hier werden die Bürger ohne rechtliche Grundlage regelrecht abgezockt, echauffiert sich der Zeiler Bürgermeister Christoph Winkler.

Das ist, leider, falsch, die Rechtsgrundlage gibt es. Der schon seit langem gültige Entgeltkatalog für allerlei Zeitvertreib im Wald, sagt Staatsforstsprecher Joachim Keßler, werde neuerdings bloß strikter gehandhabt. Früher hätten die Förster schon mal ein Auge zugedrückt.

Vergeblich hatten die Umweltschützer vom Bund Naturschutz (BN) vor der Forstreform gewarnt, ein Volksbegehren scheiterte knapp. Im Streit um die Forstreform hatte die bayerische Staatspartei CSU die Wandermaut noch als Horrorszenario abgetan. Nun wird sie erhoben.