Heilbronn

Begonnen, sagt Werner Schork, habe es mit einem Malheur mit dem Knie, das ihm jede Teilnahme am Betriebssport verboten habe. Dazu kam das gute Essen.

Und schließlich musste der Heilbronner Kriminalhauptkommissar, der als Freizeitkicker in besseren Tagen auf dem Platz ob seiner Schmalgliedrigkeit Röhrle gerufen wurde, sich nach 28 Berufsjahren gewichtsbedingt versetzen lassen, aus dem Dezernat für Sittlichkeitsdelikte in die EDV-Abteilung. 139 Kilogramm wog er da.

Noch vor einem Jahr war Hauptkommissar Schork einer von denen, die nicht mehr so fit sind, wie wir das bei der Polizei brauchen, wie Dieter Schneider krittelt, Inspekteur der Polizei Baden-Württemberg. Heute gilt Schork als Vorbild. Denn im Frühjahr 2005 hatte die Polizeidirektion Heilbronn ihre 900 Beamten zum Abspecken aufgerufen und jedem, der binnen fünf Monaten zehn Prozent seines Körpergewichts verlöre, einen Tag Sonderurlaub in Aussicht gestellt. Schork zählte zu jenen zwölf Ordnungshütern, die es schafften. Und damit nicht genug, dieses Jahr will er die Hundertkilogrenze nach unten durchbrechen.

Vorbildlich? Je weniger beleibt, desto weniger beliebt ist der Beamte bei der Gewerkschaft der Polizei. Sie beklagt den Schlankheitswahn der Heilbronner Kollegen, der in der Öffentlichkeit den Eindruck entstehen lasse, dass ein großer Teil der Kolleginnen und Kollegen übergewichtig wären. Während doch fundierte Erkenntnisse über die durchschnittliche Gewichtsentwicklung von Polizisten gar nicht vorlägen.

Unterdessen hat die Heilbronner Polizeispitze einen Sport- und Gesundheitskoordinator ernannt. Nordic-Walking-Kurse und Ernährungsvorträge sind geplant. Man muss schließlich Straftätern nachrennen können, gibt ein Sprecher zu bedenken und droht, in Zukunft fließe das Gewicht auch in die Personalbewertung ein.

Schon zieht die Kampagne Kreise. Heilbronns Müllabfuhr hat gerade angekündigt, dem Speck ihrer Angestellten in ähnlicher Weise zu Leibe zu rücken.