Außenpolitik ist leicht. Das sagte Angela Merkel im letzten Juni. Da war sie gerade zur Kanzlerkandidatin bestimmt worden. Sie meinte das nicht so absolut, wie es klingt, sondern verglich mit der hartgängigen Innenpolitik, dachte aber auch: Außenpolitik ist nicht so schwer, wie Gerhard Schröder und Joschka Fischer immer tun. Dennoch klang ihr Satz etwas bizarr, damals.

Heute, nach zwei Monaten im Amt und den Besuchen in Washington und Moskau, muss man zumindest zugeben: Außenpolitik geht ihr leicht von der Hand.

Eine kurze Bilanz: Etwas näher an Washington ist sie gerückt, aber nicht ohne kritische Worte, nicht nur zu Guantánamo. Etwas weniger Tuchfühlung zeigte sie mit Paris, dem pompösen Charme des Präsidenten erlag sie kaum. Dennoch stellte die Kanzlerin nie das deutsch-französische Sonderverhältnis infrage.

Und dann noch Moskau: Was von Brandt bis Schröder kein deutscher Kanzler fertig brachte - sie traf sich mit russischen Oppositionellen zum Gespräch bei Wein und Wodka. Und was geschah angesichts dieses Tabubruchs? Nichts: Kein Gashahn wurde zugedreht, keine Drohung war aus dem Kreml zu hören, nur Wladimir Putin machte bei der Pressekonferenz mit der Kanzlerin ein etwas zitroniges Gesicht.

Ansonsten stehen auf der bemerkenswerten, wenn auch kurzen Liste ihrer ersten außenpolitischen Erfolge: ein Durchbruch bei der EU-Finanzplanung zu etwas überhöhten Preisen für die deutschen Nettozahler sowie zwei erfolgreiche Geiselbefreiungen. Wenn man die Kanzlerin nach dem Grund für diese außenpolitische Glückssträhne fragt, so winkt sie ab. Arbeit sei es gewesen, viel Arbeit, und außerdem würden sowieso auch wieder schlechtere Zeiten kommen.

Das glaube ich Ihnen nur, weil Sie eine Ostdeutsche sind

Gewiss. Dennoch steckt mehr hinter diesen ersten zwei Monaten neuer deutscher Außenpolitik, Erfreuliches wie Beunruhigendes, und vielleicht finden sich die Konturen eines Konzepts.