Umso größer ist nun die Blamage. Trocken beschreibt das Urteil des Schiedsgerichtes, auf das sich die Republik und die Erben des beraubten und vertriebenen Industriellen Ferdinand Bloch-Bauer schließlich geeinigt hatten, den juristischen Sachverhalt, der von Anfang an offensichtlich verschleiert worden war. Zu keinem Zeitpunkt besaß die Republik ein Eigentumsrecht an den umstrittenen Kunstschätzen. Es war lediglich eine spitzfindige Konstruktion der Rechtsberater der zuständigen Ministerin Elisabeth Gehrer (ÖVP).

Im Vertrauen auf deren Winkelzüge hatte sie sich vor sechs Jahren in eine abenteuerliche Abwehrschlacht gewagt. Die Strategie bestand in kaltschnäuziger Ablehnung. Gesprächsangebote wurden ausgeschlagen, Briefe blieben unbeantwortet. Höhnisch wurde den Erben beschieden: "Sollen’s halt klagen."

Das taten diese auch. Allerdings nicht in Österreich, wo sie allein für Gerichtsmarken 1,7 Millionen Euro auf den Tisch hätten legen müssen, sondern in den USA. In einem langwierigen Instanzenzug vom Bezirksgericht bis zum Obersten Gerichtshof verlor die Republik Prozess um Prozess. Allein die Anwaltskosten verschlangen jährlich 800000 Euro. Langsam entglitt dem Ministerium die Kontrolle über das Verfahren. Nur deshalb willigte es in das Schiedsgerichtsverfahren ein, dessen Kosten, zumindest 600000 Euro, es nun auch tragen muss. Wohl glaubte die Ministerin mittlerweile selbst, die Unrechtskonstruktion ihrer Juristen sei wasserdicht. Und irrte.

Nun allerdings den Versuch zu unternehmen, das Eingeständnis der eigenen Niederlage nach sechsjährigem Hauen und Stechen in eine moralische Großtat ummünzen zu wollen, bereichert die Affäre um eine frivole Dimension. Der Fall Bloch-Bauer war der Lackmustest des Restitutionsgesetzes, das in aller Eile nach der Beschlagnahme zweier Schiele-Gemälde 1997 in New York erlassen wurde (das Porträt Wally schmachtet noch immer in einem Zolldepot). Denn verglichen mit allen anderen restituierten Kunstwerken, hinterlässt allein die Rückgabe der Klimt-Sammlung der Familie Bloch-Bauer tatsächlich eine unersetzliche Lücke in der nationalen Schatzkammer. Wahrscheinlich will sich Ministerin Gehrer nun nicht mehr daran erinnern, dass sie ursprünglich beabsichtigt hatte, ihren Beirat zu überstimmen, als sich dieser gegen eine Restitution der Gemälde aussprach. Doch der damalige Regierungschef Viktor Klima ließ sie wissen, er werde ihr diesfalls nicht den Rücken stärken. Und sich allein der geballten Empörung von Museumsdirektoren und Boulevardpresse zu stellen erschien ihr doch als zu großes Risiko.

Zu diesem Zeitpunkt war ein schonender Kompromiss mit den Erben durchaus vorstellbar, und er wurde auch in den Raum gestellt. Nach all den Brüskierungen jetzt an die Großherzigkeit der 90-jährigen Erbin Maria Altmann zu appellieren dürfte wenig Aussicht auf Erfolg besitzen. Es gibt noch drei weitere Anspruchsberechtigte. Es gibt auch den Anwalt Randy Schoenberg, der sieben Jahre lang gegen alle Widrigkeiten gekämpft hatte. Und es gibt vor allem auch einen hungrigen Kunstmarkt. Einer der potenten Sammler, die sich die Klimt-Gemälde leisten könnten, heißt Ronald Lauder und hat in New York ein ehrgeiziges Privatmuseum ins Leben gerufen, das sich der Wiener Kunst um 1900 widmet. Dieses, Neue Galerie benannt, beherbergt auch die Sammlung des einst aus Wien vertriebenen Kunsthändlers Serge Sabarsky und trägt den Namen jener Wiener Galerie, die einst der ebenfalls vertriebene erste österreichische Schiele-Experte Otto Kallir gegründet hatte. Sollte sich so der Kreis schließen, es hätte historische Logik: jene des vertriebenen Österreich.