Eine Vorarlbergerin in Portugal: Die Friseurmeisterin Sabine Pawlik zog vor fünf Jahren in Richtung Sonne und leitet heute in Lissabons historischem Zentrum Santa Catarina den schrägen Salon Work in Progress, in dem hauptsächlich die kreativen Köpfe der Stadt frisiert werden.

Internationales Flair Jeder, der mich fragt, warum ich aus Österreich nach Portugal gegangen bin, glaubt, es habe mit der Liebe zu tun. Dabei bin ich mit meinem österreichischen Freund hergezogen, wir wollten schnell weg aus dem engen Wien. Einfach in den Atlas geschaut, Sonne, Strand, Meer und eine große Stadt waren die Voraussetzungen. Lissabon war also reiner Zufall, den ich nie bereut habe. Ich habe recht schnell einen Job gefunden, ich bin ja Friseurmeisterin. Gelernt habe ich bei meinem Vater in Vorarlberg, wir sind Friseure in der dritten Generation, schon mein Großvater hatte einen Salon in der Steiermark. Mir gefällt an dem Beruf der schnelle Erfolg. Hier in Portugal ist Haareschneiden schon noch eine eher traditionelle Sache und häufig nach Geschlechtern getrennt. Da gehen die Männer zu den barbeiros und die Frauen zu den cabeleireios. Unser Laden ist da ganz anders. Dauerwellen gibt es aus Prinzip nicht. Nur Schnitt und Farbe. Wir sind ein schräger, zusammengewürfelter Haufen. Zwei Franzosen, ein Spanier, zwei Deutsche, alles wird auf Englisch geregelt. Der Salon läuft sehr gut, und ich habe manchmal das Gefühl, dass unsere Kunden neben der guten Schnitte auch wegen des internationalen Flairs kommen.

Geschlossene Gesellschaft In Lissabon sind die Leute zuvorkommend und neugierig. Das ist in Österreich ja anders. Dennoch leben die Portugiesen in einer recht geschlossenen Gesellschaft, und nur selten lädt dich mal jemand zu sich nach Hause ein, alles bleibt auf ein wenig oberflächlicher Distanz. Irgendwann kann ich mir schon vorstellen, nach Österreich zurückzugehen. Ich vermisse die Sprache und die guten Mehlspeisen. Im Juni war ich in Wien und irritiert, wie viele junge Friseure da inzwischen aufgemacht haben. Hier in Lissabon habe ich mit meinem Team immer noch Exotenbonus. Aber ich verfolge regelmäßig, was sich zu Hause so tut. Oft diskutiere ich nächtelang mit Wiener Freunden am Telefon. Nachdem wir uns dann leidenschaftlich über Österreichs Innenpolitik ausgelassen haben, empfinde ich meine Entfernung vom ganzen Zirkus wieder als Segen. Zu Haiders Zeiten habe ich in meinem Laden monatelang regelrechte Aufklärungsarbeit geleistet, erklärt, warum trotz dieser Regierung nicht ganz Österreich rechts ist. Ich habe so viel geredet in dieser Zeit… Aber das war wichtig, auch um mir selbst über Österreich klarer zu werden.

Aufgezeichnet von Julia Grosse