Worauf waren Sie in diesen Tagen besonders stolz in Österreich?

Vor kurzem beschloss das Parlament auf Initiative von amnesty international einstimmig eine sehr konkrete und umfassende Resolution gegen Folter als Auftrag an unsere Bundesregierung, sich in dieser Richtung auch EU-weit und international zu engagieren.

Und worüber waren Sie enttäuscht?

Dass sich dieser Tage unsere Innenministerin als Chefin des EU-Innen- und Justizministergipfels für die Frage möglicher Geheimgefängnisse auf EU-Boden schlicht als unzuständig erklärte, kann den gelernten österreichischen Menschenrechtler wohl nicht mehr wirklich enttäuschen.

Turbonationalisten

Ein frommer Wunsch: Eine Woche ohne Haider und ohne neuerliche Dreistigkeiten im absurden Ortstafelstreit. Es wird ein frommer Wunsch bleiben. Im Nationalrats-Wahlkreis Kärnten-Ost kämpft nämlich der Volkstribun um sein und das Überleben seiner Phantompartei. Nur mit einer hemmungslosen Strategie besitzt er überhaupt den Funken einer Chance, ein Grundmandat zu erringen, das beide noch retten könnte. Deshalb darf aus seiner Sicht der verrückte Konflikt nicht zur Ruhe kommen. Ein, zwei, viele Strohfeuer. Flächenbrand. Er glaubt offensichtlich, jetzt nichts mehr zu verlieren zu haben. Doch Haider hat die Rechnung ohne seinen Klon gemacht. Nun kündigt Strache, der rachedurstige Chef der alten FPÖ, an, er werde dem Verräter just im Wahlkreis Kärnten-Ost das angestrebte Mandat streitig machen. Natürlich indem er noch entschlossener gegen zweisprachige Ortstafeln auftritt. Wobei "auftreten" ein Euphemismus ist für ein wüstes Gebalge. Die staunende Öffentlichkeit wird zwei entfesselte Rechtsüberholer erleben, die, angetrieben von Turbonationalismus, einander ein Vernichtungsrennen liefern. Denn hier will ein Hexenlehrling seinen Meister übertrumpfen. Beide kennen die maliziösen Zauberformeln. Beiden sind politische Problemstellungen lediglich Mittel zum Zweck. Beide sind beseelt von selbstgerechter Eitelkeit. In beider Köpfen spukt das wirre Gedankengut der schlagenden Verbindungen: Ehre, Treue, Kampf, Mannesmut. Jetzt erst wird die vierte Strophe der Kärtner Landeshymne wahr: Wo man mit Blut die Grenze schreibt.
J.R.