Dieses bizarre Gebilde aus fingerdickem Stahlblech ginge auf einer Messe für moderne Kunst mühelos als Skulptur von Richard Serra durch. Es handelt sich jedoch um ein Bauteil für Wendelstein 7-X, die weltweit größte Kernfusionsanlage vom Typ Stellarator. Sie wird im Greifswalder Max-Planck-Institut für Plasmaphysik errichtet. Zwanzig solcher Teile werden zum Herzstück der Anlage zusammengefügt – ein verschlungener Ring von zwölf Meter Durchmesser. In ihm wird später Wasserstoff auf über 100 Millionen Grad erhitzt. In diesem Sonnenfeuer, Plasma genannt, verschmelzen die Atomkerne und setzen enorm viel Energie frei. Starke Magnetfelder verhindern, dass das superheiße Plasma auf die Wände trifft und sie zerstört. Mit seiner verschlungenen Ringform umschließt Wendelstein 7-X optimal das Wasserstoffplasma, das sich während der Fusion in einen verwundenen "Plasmaschlauch" verwandelt. 2011 soll der Stellarator fertig sein. Dann wird untersucht, ob er besser zum Kraftwerk taugt als das teure Konkurrenzmodell Iter, das in Südfrankreich entsteht.