Der Kellner in der Gaststätte des Westfälischen Industriemuseums Dortmund stammt aus Sri Lanka und sagt: Mensch, watten Se doch lieber drinnen auf das Taxi. Draußen ist es doch so schäbbich. Wenn das keine Integration ist.

Vielleicht ist das Wort schäbbich bei ihm sogar schneller in den Wortschatz übergegangen als bei manchen Schlesiern oder Ostpreußen, die nach Kriegsende in das Ruhrgebiet kamen. Den Vertriebenen und ihrer Integration widmet das Museum eine sehenswerte Ausstellung: Aufbau West - Neubeginn zwischen Vertreibung und Wirtschaftswunder (bis zum 26. März, Zeche Zollern II/IV, Alte Werkstatt, www.ausstellung-aufbauwest.de). Der Besucher folgt den Fußspuren von neun Familien, im Mai 1946 aus dem schlesischen Voigtdorf ins Ruhrgebiet gekommen, geht vorbei an einem Güterwaggon und an lebensgroßen Aufnahmen der Flüchtlingstrecks - und steht dann vor dem, was für manche nach der Flucht von ihrem alten Leben blieb: ein Liedblatt zur Trauung, ein Stoffaffe, ein Korbwagen auf Holzrollen. Und im Hintergrund hört man, wie Vertriebene aus der Bukowina, Ostpreußen oder dem Egerland über ihre Flucht berichten. Ende der fünfziger Jahre war jeder fünfte Einwohner Nordrhein-Westfalens ein Flüchtling oder Vertriebener - sie packten an, passten sich an und füllten die Lücken im Arbeitsmarkt. Sie wurden Bergleute, Textilunternehmer, Glashersteller - und behielten ihren Schmerz für sich. So gesehen, ist ihre Integration gelungen. Vierzig Lebensgeschichten zeigen ihre Wege: vom evangelischen Niederschlesier, der im katholischen Münsterland zwar nicht Ministrant werden, aber die Glocken läuten durfte, bis zum nordböhmischen Glasknopfhersteller, dem der neue jüdische Besitzer die Druckformen der Knöpfe für den Neuanfang in den Westen nachschickte. Den Betroffenen sind die schönsten der rund 300 Ausstellungsstücke zu verdanken: ein Baumwollzweig zur Erinnerung an die Zwangsarbeit als Pflückerin in Tadschikistan. Eine Ofenkachel aus dem Elternhaus. Und das Ausstellungsstück 1990, Glas, Metall, Erde, Höhe: 18 Zentimeter, Durchmesser: 12 Zentimeter, Privatbesitz - Heimaterde im Einmachglas.