In Wien gab es in den vergangenen Tagen einen gewaltigen Besucheransturm auf die Österreichische Galerie im Belvedere. Viele Menschen kamen, um sich von den fünf Gemälden von Gustav Klimt zu verabschieden, bevor sie an ihre rechtmäßige Erbin Maria Altmann in Los Angeles zurückgegeben werden. Doch sie kamen vergeblich. Aufgrund einer anonymen Drohung per Mail, die Bilder zu zerstören, wurden die Werke kurzfristig im Tresor in Sicherheit gebracht. Die Drohung stellte sich inzwischen als harmlos heraus, sodass die Gemälde nun doch noch eine Weile für die Öffentlichkeit zugänglich sein werden.

Ausgelöst worden war die Aufregung um die Bilder, als vorige Woche bekannt wurde, dass der jahrelange Rechtsstreit um die Kunstwerke zugunsten der Klägerin Maria Altmann entschieden worden war. Sie ist die Nichte des Zuckerbarons Ferdinand Bloch-Bauer und der Bankierstochter Adele, die mit vielen Künstlern, darunter auch Klimt, befreundet waren. Adele Bloch-Bauer empfing in dem gleichnamigen Palais in Wien die intellektuelle und künstlerische Elite zu Beginn des 20. Jahrhunderts und erwarb eine umfangreiche Sammlung an Kunstwerken. 1939, als Österreich schon an das Deutsche Reich angeschlossen war, wurden Teile der Sammlung Bloch-Bauer durch den Wiener Magistrat "sichergestellt" und die Kunstwerke auf diverse Museen verteilt, manches über das arisierte Auktionshaus A. Kende versteigert.

Seit rund 65 Jahren hingen im Österreichischen Museum im Belvedere die fünf Prunkstücke von Gustav Klimt und wurden wie ein nationales Heiligtum verehrt. Darunter befindet sich auch die Adele in Gold, das auf Goldgrund gemalte Porträt von Adele Bloch-Bauer im Jahr 1907, das auf unzähligen Plakaten, Postkarten und Souvenirobjekten zugunsten des Staates vermarktet wurde.

Nun müssen die Bilder an die Erbin herausgegeben werden. Mit dem 1998 von Österreich verabschiedeten Restitutionsgesetz bot sich Maria Altmann die Chance, die Rückgabe der weltberühmten Gemälde zu fordern. Doch trotz des Gesetzes verweigerte der Restitutionsbeirat die Rückgabe der Gemälde und berief sich dabei auf eine schriftliche Bitte von Ferdinand Bloch-Bauer, die Bilder nach seinem Tod der Österreichischen Galerie zu überantworten. Zu diesem Zeitpunkt war sich Bloch-Bauer jedoch kaum seines Schicksals bewusst: Vom Staat Österreich enteignet, flüchtete er in die Schweiz.

Der mit der Familie seit Jahrzehnten befreundete Anwalt Randol Schoenberg reichte zunächst eine Klage gegen die Republik Österreich am Landgericht Wien ein, zog sie aber aus Kostengründen in Höhe von 1,74 Millionen Euro Vorkasse zurück und ging dann in den USA vor Gericht. Das Verfahren schleppte sich jahrelang dahin, bis die Parteien schließlich darauf eingingen, sich einem Schiedsverfahren in Österreich zu unterwerfen. Am 16. Januar 2006 sprach das Schiedsgericht unter dem Vorsitz des Universitätsprofessors Peter Rummel der Erbin die Gemälde zu.