zuwanderer Man spricht DeutschSeite 2/2
Es mag gute Gründe geben, gegen den Leitfaden und gegen die niederländischen Kulturkampfmethoden zu sein – was jedoch im Wedding an der Hoover-Schule versucht wird, hat mit solchen obrigkeitsstaatlichen Regulierungsversuchen gerade nichts gemein. Die eifernde Empörungsroutine der Kritiker steht in auffallendem Kontrast zum Pragmatismus der Betroffenen. Die vermeintlich diskriminierende Regel ist nämlich in Wahrheit von den Schülern und Eltern der Hoover-Schule mitentwickelt worden. Und die Schulkonferenz, in der alle am Schulleben beteiligten Gruppen vertreten sind, hat sie bereits vor mehr als einem Jahr debattiert und abgesegnet.
Mit der Deutschpflicht hat man an der Schule gut gelebt, bis die mutwillig aufgepeitschten Wogen der Erregung über Jutta Steinkamp zusammenschlugen. »In vielen Klassen meiner Schule ist es völlig normal, dass Kinder mit acht verschiedenen Muttersprachen zusammensitzen«, erklärt die Direktorin. »Die allermeisten von ihnen sprechen zu Hause nicht Deutsch, sehen kein deutsches Fernsehen, lesen keine deutsche Zeitung.« Ihr sei es darum gegangen, den Raum, in dem die Kinder dem Deutschen ausgesetzt sind, möglichst auszuweiten. Die Deutschpflicht an der Hoover-Schule sei keine Alibipolitik, sondern Teil der pädagogischen Schwerpunktbildung Deutsch. An der Hoover-Schule gibt es mehr Deutschstunden als an anderen Schulen, und, wo immer möglich, sogar in kleinen Gruppen. Die kontinuierlich steigenden Anmeldezahlen zeigen, dass die Migrantenfamilien diese Anstrengungen honorieren.
Allein schon wegen der Pluralität der Herkunftssprachen, sagt Steinkamp, sei es unabdingbar, eine gemeinsame Verkehrssprache zu haben. Es sei nicht mehr als ein Gebot der Höflichkeit, dass nicht jeder Mitschüler in seiner Muttersprache rede, wenn so viele verschiedene Nationalitäten zusammentreffen. Gerade diejenigen, die sich dafür einsetzen, dass Deutschland sich endlich als Einwanderungsland begreift, müssten ein Interesse daran haben, dass jedermann die Verkehrssprache beherrscht. An der Hoover-Schule gibt es auch keineswegs ein »Sprachverbot«, wie Jutta Steinkamps Gegner behaupten. Es geht nicht um Strafe und Sanktionierung, sondern um eine positive Selbstverpflichtung der Schule. Der entscheidende Satz in der Hausordnung lautet: »Die Schulsprache unserer Schule ist Deutsch, die Amtssprache der Bundesrepublik Deutschland. Jeder Schüler ist verpflichtet, sich im Geltungsbereich der Schule nur in dieser Sprache zu verständigen.«
Möglich, dass aus der vergifteten Debatte um die Deutschpflicht doch noch etwas Gutes entsteht. Der Berliner Bildungssenator Klaus Böger (SPD) sieht sich durch die Angriffe auf die Schulleiterin genötigt, aus der Deckung zu kommen. Er verteidigt die Regel der Hoover-Schule, weil »sie durch gemeinsame Übereinkunft aller am Schulleben Beteiligten zustande gekommen« sei. »Das ist ein kleiner Gesellschaftsvertrag, ein contrat social, und kein obrigkeitlicher Sprachbefehl«, so der Senator. Der Vizepäsident des Bundestages, Wolfgang Thierse (SPD) regt an, dass auch andere Schulen diesem Beispiel folgen sollten. Zu Recht: Allein in Berlin gibt es bereits 50 Schulen, an denen deutsche Schüler die Minderheit sind, und es werden mehr. Auch die Staatsministerin für Integration im Kanzleramt, Maria Böhmer (CDU), hat dies im Blick, wenn sie die Hoover-Schule lobt und sich wünscht, dass »dieses Beispiel Schule macht«.
Jutta Steinkamp tröstet sich einstweilen mit Sarkasmus über die verletzende Kritik. Sie müsse sich eigentlich fast für die Kampagne bedanken: »Um die Anmeldungen zum kommenden Schuljahr brauchen wir uns keine Sorgen machen. Die klugen Migranten werden uns nach dieser unfreiwilligen Werbung die Türe einrennen.«
- Datum 26.01.2006 - 13:00 Uhr
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- Quelle DIE ZEIT 26.01.2006 Nr.5
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plötzlich friert zeit.de die kommentarfunktion für diesen artikel ein, bzw. läßt kommentare einfach ins leere laufen. frage mich allerdings, warum dies nicht schon einen kommentar vorher passiert ist. der inhalt dieses textes erscheint mir schon recht beleidigend. schade, dass man hiergegen nicht mehr argumentieren darf.
Ich hoffe, die mutige Schulleiterin lässt sich von den üblichen "Gesinnungsethikern", die sich zu jedem Thema melden nicht beirren und bleibt dabei, diesen sinnvollen Weg zu gehen.
Mutig? Im Unterricht ist deutsch angesagt, okay, aber was und wie man z. B. in der Pause mit seinen Freunden spricht, ist PRIVATsache! Oder sollen Nichtdeutsche hier juristisch ein bisserl anders behandelt werden? Außerdem: eine Freundschaft hat auch IHRE spezifische Sprache, die man nicht einfach plötzlich ändern kann (an z. B. süddeutschen Schulen so wenig wie an Stammtischen lanauf, landab herrscht ja auch kein Hochdeutsch-Gebot; wär vielleicht aber mal zu bedenken!).
Naechstes Mal ein bischen hinsehen beim Kommentare lesen: Ich bin in Norwegen geboren aber deutsche Staatsbuergerin mit deutschem Pass -habe Wohnsitz in Deutschland uns USA.Noch 'ne Frage zu meiner Staatsangehoerigkeit?
Wenn Ihnen andere Argumente einfallen ausser der 'ueblichen'Nazi-Keule' dann lassen Sie wieder von sich hoeren. Es ist faellt mir auf dass wenn alle Straenge reissen und keine validen Argumente da sind dann beschimpft man Andersdenke als Nazi's - wie einfallslos. Und ja, Deutschland ist meine Heimat und ich betrachte es als mein Land und ich denke dass Tuerken ueber ihre Heimat aehnliche Gedanken haben,egal wo sie wohnen.
Herzlichen Dank an die mutige Rektorin!
Es ist nämlich zu vermuten, dass wir mit dieser Diskussion um die Sprachkompetenz nur die Spitze des Eisberges sehen, der metaphorisch für das Gesamtproblem Integration in die offene westliche Gesellschaft steht. Wie laut wird erst das Geschrei werden, wenn über folgende Probleme unterhalb des Wasserspiegels geredet wird?
- Teilnahmepflicht am Sportunterricht und an Klassenfahrten
- Beteiligung an kulturellen schulischen Veranstaltungen
- Verhinderung sexueller Beziehungen zwischen Mosleminnen und Deutschen durch türkische Eltern mit massiver Gewalt
- mögliches Kopftuchverbot an Schulen
- vielleicht Abschaffung des Islamunterrichts an deutschen Schulen
- Maßnahmen gegen Mädchenbeschneidung in Europa und Zwangsheiraten
Einige der Kommentare hier sind einfach nur beleidigend (z.b kb26919 und idefixII), aber sie illustrieren sehr gut wo die Schwierigkeiten der Integration auf deutscher Seite sind, denn Menschen mit diesen Ansichten gibt wahrscheinlich sehr viele in Deutschland.
Integration ist ein schwieriger und langwieriger Prozess, bei dem Unsicherheiten und Vorurteile auf beiden Seiten überwunden werden müssen. Es ist sehr einfach Dinge von den anderen einzufordern und unendlich schwerer selber etwas beizutragen. Dabei ist es übrigens völlig unerheblich ob es sich um geladene oder ungeladene Gäste, Deutsche, Türken, Christen oder Moslems handelt alles müssen sich anstrengen, wenn die Integration klappen soll.
Eine von allen getragenen Selbstverpflichtung zur deutschen Sprache, wie sie in der Berliner Schule getroffen wurde ist sehr gut. Von einer solchen Regelung werden letztlich alle profitieren. Und glücklicherweise scheinen es die Kinder selbst so zu sehen.
Ich kann allerding auch die Ängste verstehen, die bei einigen ethnischen Gruppen vorliegen: heute wird uns die Sprache verboten, morgen müssen die muslemischen Frauen ihre Kopftücher ablegen, die jüdischen Jungen ihre Schläfenlocken abschneiden, die strengerzogenen christlichen Töchter der Russlanddeutschen werden gezwungen mit jungen Männern den gemeinsamen Sportuntericht zu besuchen und auf Klassenfahrt zu fahren und bei all diesen vermeindlichen Opfern ist es überhapt nicht klar was im Gegenzug von der deutschen Gesellschaft geleistet wird. Wird der begabte türkische Junge so gefördet, das er das Abitur machen kann oder wird er einfach nur zur Hauptschule verschoben, weil es ja eh keinen Sinn hat die Kinder aus den bildungsfernen Immigrantenfamilien zu fördern. Wird das russlanddeutsche Madchen vor Hänseleien und mobbing wegen seines altmodischen Aufzugs geschützt werden, oder wird der Lehrkörper hinwegsehen, weil er mit dieser archaischen Lebenwelt nichtanfangen kann (selbst schuld wer so rumläuft). Wird die Somalische Schulabgängerin zum Jobinterview eingeladen oder wieder doch nicht einfach nur weil ihr Name so undeutsch ist und ihn niemand in der Buchhaltung aussprechen könnte. Kurz: was sind die Garantien das es Sinn macht sich anzustrengen und anzupassen. Die Anworten in Deutschland lassen noch auf sich warten (anders als hier in meiner neuen Heimat England, wo all diese Fragen mit grossem Ernst und grosser Aufgeschlossenheit angegangen werden).
Integration kann nur erfolgreich sein, wenn wir miteinander arbeiten, die Ängste ernst nehmen und Vorurteile überwinden, eine gemeinsame Sprache ist dabei unabdinglich. Die Berliner Schule macht einen wichtigen und richtigen Schritt in diese Richtung.
Irgendwie ist es auch traurig dass man in Deutschland Mut haben muss um deutsch zu sprechen,Fremden dabei zu helfen die Sprache zu erlernen.
Ich finde sie regen sich beide viel zu sehr auf. Anstatt mit Toleranz und Verständnis auf einander zuzugehen (ich möchte hier keinesfalls die Friedenstaube spielen, aber ich denke das sind die Mindestanforderungen, die jemand aufbringen muss, wenn er sich über andere Kulturenein Urteil bildet) kommen sie beide gleich mit dem Vorschlaghammer daher. Dabei geht auch das letzte bisschen von Objektivität verloren.
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