Osterfeine

Welche Mittel darf der Einzelne Ihrer Meinung nach anwenden, um sich gegen Verletzungen seines Glaubens zu wehren? Auch pflichtbewusste deutsche Lehrerinnen einer Grundschule in Niedersachsen müssen sich nun wohl ein paar jener lästigen Fragen gefallen lassen, die im berüchtigten Gesprächsleitfragen des Landes Baden-Württemberg für einbürgerungswillige Muslime vorgesehen sind. Schuld daran trägt der freche Robin, ein siebenjähriger Grundschüler, der, wie seine Mutter sagt, in der Schule gerne mal den Clown spielt.

Leider trieb der Junge seine Späße unlängt mit dem lieben Gott. Und das ausgerechnet in Gamme, einer streng katholischen Enklave im protestantischen Niedersachsen. Nun muss man wissen, dass in dieser Gegend sogar manche öffentliche Schule (etwa jene im nahen Städtchen Lohne) Kinder abweisen darf, wenn sie nicht katholisch getauft sind. Der kleine Robin wusste von diesen Glaubenskriegen wohl nichts, als er vor seiner Religionslehrerin behauptete: Der liebe Gott hat Stinkefüße! Die Lehrerin nahm den Jungen nicht nur ins Gebet, sie verwies ihn auf den Gang. In vierzig Dienstjahren, so vertraute sie später Robins Eltern an, habe sie so ein Kind noch nicht erlebt. Und weil der kleine Ketzer nicht getauft ist, verkündete nun die Schulleitung, werde er als Heide bis auf weiteres vom Religionsunterricht suspendiert. Er soll stattdessen bei der Frau Direktor im Büro sitzen oder am Musikunterricht teilnehmen.

Ich will die Sache ja nicht hochspielen, sagt jetzt Robins Mutter, aber ein wenig seltsam sei es schon, dass ein quirliger Schuljunge wegen eines gottlosen Spruchs im liberalen Deutschland so einfach aus dem Religionsunterricht verwiesen werde. Die Leute hier in der Gegend, sagt die Mutter, seien schon ziemlich extrem religiös. Mit Gott sei hier eben nicht zu spaßen. Die Mutter ist übrigens auch konfessionslos. Wie Gammes Lehrerinnen wohl Frage 21 des Muslim-Leitfadens beantworten würden? Sie lautet: Erlaubt das Grundgesetz, ohne Religion zu leben?