Klaus Dicke, Rektor der Friedrich-Schiller-Universität Jena, zitierte das geflügelte Goethe-Wort nach der Kanonade von Valmy 1792: Von hier und heute geht eine neue Epoche der Weltgeschichte aus, und ihr könnt sagen, ihr seid dabeigewesen. Da wollte auch der Hauptredner des Abends, der amerikanische Historiker Fritz Stern, nicht zurückstehen. Er schloss an Hegels Äußerung über Napoleon als dem Weltgeist zu Pferde die Bemerkung an: Ich sehe künftig den Weltgeist im Jena Center.

Vergangene Woche wurde im Alten Schloss Dornburg das Jena Center für Geschichte des 20. Jahrhunderts aus der Taufe gehoben. Und es war wohl der Genius Loci, der zu rhetorischem Überschwang verleitete. Denn die über der Saale gelegenen Dornburger Schlösser hatten schon Goethe als Refugium gedient. Hier hatte er sich mit seinen Freunden getroffen, hier 1779 an der Iphigenie gearbeitet und 1828, am Ende seines Lebens, sein schmerzlich bewegtes Innere durch Fleiß und Zerstreuung zu beschwichtigen gesucht.

Ein Ort nicht der Zerstreuung, wohl aber des Fleißes soll das Jena Center werden. Spiritus Rector ist Norbert Frei, einer der herausragenden deutschen Zeithistoriker, der seit kurzem seine Wirkungsstätte von Bochum nach Jena verlegt hat. Er hatte das Glück, in dem Ehepaar Christiane und Nicolaus-Jürgen Weickart private Spender zu finden, die für eine großzügige Anschubfinanzierung Sorge tragen. Zur neuen Einrichtung gehören eine Gastprofessur, die für jeweils ein Semester mit einem international renommierten Forscher besetzt wird, und eine Doktorandenschule, die jungen Historikerinnen und Historikern ein Stätte des intellektuellen Austausches über die Grenzen fachwissenschaftlicher Spezialisierung hinaus bieten soll.

Das Historische Institut in Jena knüpft damit an seine besten Zeiten an: Hier hatte Friedrich Schiller als Geschichtsprofessor gelehrt und Johann Gustav Droysen in den 1850er Jahren seine Historik geschrieben.

Erster Gastprofessor wird Fritz Stern sein. Er sprach in seinem Eröffnungsvortrag über Politik und Zeitgenossenschaft im 20. Jahrhundert.

Der berühmte Gelehrte, der am 2. Februar seinen 80. Geburtstag feiert, war erkältet und daher etwas indisponiert. Doch was er sagte und wie er es sagte, das war eine historische Lehrstunde. Fritz Stern hielt ein flammendes Plädoyer für eine europäische Geschichte im globalen Kontext. Das gelte auch für die Beschäftigung mit der nationalsozialistischen Herrschaft.

Nachdem jahrzehntelang erforscht worden sei, wie es dazu in Deutschland habe kommen können, müsse nun die Frage lauten: Wie war Hitler in Europa möglich?