Wochenlang drohte der Machtstreit der beiden VW-Großaktionäre Porsche und Niedersachsen, Letzterer personifiziert durch den CDU-Ministerpräsidenten Christian Wulff, den Autoriesen zu lähmen. Als ob die Wolfsburger nicht schon genug mit Ertragsproblemen und dem VW-Skandal zu kämpfen hätten. Nun haben sich Wulff, Porsche-Chef Wendelin Wiedeking und Aufsichtsratschef Ferdinand Piëch (selbst Porsche-Großaktionär) geeinigt: Piëch tritt 2007 als Aufsichtsratsvorsitzender ab, Wiedeking rückt schon diese Woche in das Gremium ein. Sein Finanzchef folgt im Mai.

Der Pakt ist gut für VW. Aber die rasche Einigung war auch für Wiedeking wichtig, schließlich muss er noch in dieser Woche auf der Porsche-Hauptversammlung seinen Aktionären erklären, weshalb er mehr als drei Milliarden Euro in VW-Aktien gesteckt hat. Ab sofort kann er als Mitglied im VW-Aufsichtsratspräsidium auf zentrale Weichenstellungen in Wolfsburg Einfluss nehmen. Dass VW für den Bau eines Golfs mehr als 50 Stunden braucht, während Konkurrenten wie Toyota oder sogar Opel für vergleichbare Modelle mit halb so viel Zeit auskommen, kann auf Dauer nicht gut gehen. Genauso wenig können es sich die Wolfsburger länger leisten, dass ihre Autos in den Qualitätsstatistiken hinterherfahren.

Wiedeking hat bei Porsche vorexerziert, wie zuverlässige Fahrzeuge in deutschen Werken hoch profitabel gebaut werden können. Wenn er VW-Chef Bernd Pischetsrieder helfen kann, dem nachzueifern, ohne zugleich die Autorität des Wolfsburger Managements zu untergraben, hat der Vorzeigemanager einen guten Job gemacht. Nur dann hat sich die Investition gelohnt - für beide Seiten.

Man kann Wiedeking nur viel Fingerspitzengefühl bei der heiklen Aufgabe wünschen.