Wer Visionen habe, benötige ärztlichen Beistand, hieß es einst. Zu dieser Zeit gab’s offensichtlich in Österreich noch keine offene Psychiatrie. Und in Kärnten keinen Messias. In der Zwischenzeit aber kam Jesus bis nach Pörtschach. Wörtherseepredigt. Statt Grabplatten verrücke er nun Ortstafeln, verkündigte dort der Auferstandene seinen Jüngern, die eher Ältere waren, und sprach: "Wahrlich, ich sage euch…" Eher komme ein Lindwurm durchs Nadelöhr als eine slowenische Aufschrift auf eine karinthische Ortstafel. Einfach Heiland, einfach Jörg. Für Psychiater ist das Jerusalem-Syndrom in der Tat ein bekanntes Phänomen: Einmal im Bann der heiligen Stadt, wähnt manch fromme Seele sich in biblischer Gestalt. Die Phantasmagorie verläuft meist harmlos: Ein paar Tage Ruhe in einer geschlossenen Anstalt, Heimreise. An offene Psychiatrie ist im Hexenkessel der Religionen natürlich nicht zu denken. Im Wirkungsbereich des erfahrenen Klagenfurter Nervenfacharztes Otto Scrinzi aber gelang es, die Triestinischen Reformen von Franco Basaglia durch ein bahnbrechendes Experiment weiterzuführen: betreutes Regieren. Bemerkenswert dabei, dass der hyperaktive Patient oft aggressive Regressionsphasen durchläuft und auffällig häufig Outfit und Rollen wechselt. Mal Robin Hood, mal Menschensohn. "Lei losn", rät dann Leibarzt Dr. Schüssel. Aber für einen Laien, Dr. Gusenbauer, gar keine schlechte Ferndiagnose.