Die iranische Regierung hat eine Konferenz über den Holocaust angekündigt, um »dessen Ausmaß zu bewerten und über seine Konsequenzen zu diskutieren«. Weitere Angaben wurden nicht gemacht. Das ist auch nicht nötig, da das Ergebnis längst feststeht: die Relativierung und Leugnung der nationalsozialistischen Vernichtung der Juden, um Israel als Staat der Überlebenden und ihrer Nachfahren die Legitimität zu bestreiten. Man kann sich dessen sicher sein, weil zu den eingeladenen »Experten« berüchtigte Holocaust-Leugner wie der Neonazi Horst Mahler und David Irving gehören. Hass auf den »Weltfeind«: Iranische Bürger demonstrieren in Teheran gegen die Vereinigten Staaten und Israel BILD

Internationale Kooperationen der Holocaust-Leugner sind gang und gäbe und nicht auf den arabischen Raum beschränkt. 1992 war eine Konferenz in Schweden geplant, an der neben amerikanischen und europäischen Antisemiten Vertreter der Hamas und der Hisbollah teilnehmen wollten. Die jetzige Initiative der iranischen Regierung muss deshalb in größeren Zusammenhängen gesehen werden. Sie ist nicht bloß Ausdruck der islamistischen Staatsideologie, sondern bezeichnend für den Antisemitismus im Nahen Osten überhaupt. Dieser Antisemitismus ist in seinen zentralen Elementen seit einem halben Jahrhundert präsent, unabhängig davon, ob er in Iran, in Palästina oder in Ägypten, ob er islamistisch oder arabisch-nationalistisch auftritt. Dabei handelt es sich nur um Variationen derselben Melodie.

Für arabische Befreiungsbewegungen war Hitler-Deutschland ein Vorbild

Der moderne Antisemitismus im Nahen Osten beginnt im 19. Jahrhundert. Zunächst waren vor allem die christlichen Minderheiten in Syrien und im Libanon die tragenden Gruppen. Mit ihnen begann der Import des Antisemitismus aus Europa. In der muslimischen Bevölkerung gewann der Antisemitismus erst im 20. Jahrhundert breitere Akzeptanz. Seine Wurzeln liegen nicht, wie die Islamisten behaupten, in der Geschichte des Islams und im Koran begründet, sondern in der Konstruktion moderner Selbst- und Fremdbilder, die die Entstehung der nationalen Befreiungsbewegungen und schließlich die Bildung der Nationalstaaten im Nahen Osten begleiteten.

Mit dieser Entwicklung war die Entstehung des Palästina-Konfliktes eng verbunden, da die allmähliche jüdische Besiedlung Palästinas als Kolonialisierung im Schutze der britischen Mandatsmacht gedeutet wurde. Im Konflikt mit dem Zionismus formierte sich die palästinensische Nationalbewegung – und orientierte sich dabei zeitweilig am nationalsozialistischen Deutschland. Auf deutscher Seite war man sich dieser Sympathien bewusst, begann aber erst angesichts der sich abzeichnenden Gründung eines jüdischen Staates aktiv auf Vertreter der arabischen Bewegungen zuzugehen. Strategisch, in vielen Fällen auch ideologisch, sah man sich während des Zweiten Weltkrieges im Kampf gegen Engländer und Juden auf derselben Seite.