Meistens schreibt Gott ziemlich lausige Drehbücher. In diesem Fall hat er sich jedoch unglaublich ins Zeug gelegt. Und Johnny Cash hat es verdient. Aufgewachsen auf einer kleiner Farm im ärmsten Teil von Arkansas, dort, wo die Weißen selbst ihre Baumwolle pflücken müssen, gehasst von seinem Vater, aufgestiegen zu den Großen von Rock ’n’ Roll und Country, gefallen durch Uppers und Downers und gerettet durch eine Liebe, die sonst nur das Märchen erlaubt. Joaquin Phoenix als Johnny Cash BILD

Walk The Line ist der weiße amerikanische Traum in so reiner Form, wie es Ray, die Geschichte von Ray Charles, für den schwarzen Prinzen war. Stürzen, um aufzustehen, Schuld auf sich laden, um bereuen zu können und jene berühmte zweite Chance zu bekommen. Amerika liebt Verlierer, die gewinnen. Manchmal ist nur noch das Klischee zu erkennen, aber was ist ein Klischee anderes als erfüllte Hoffnung. Als Johnny Cash vom Militärdienst in Landsberg am Lech in Germany zurück nach Memphis kommt, tingelt er erfolglos als Vertreter, sorry, hier wird kein neuer Anstrich, keine Küchenmaschine gebraucht. Und wieder einmal steht er vor verschlossener Tür, als von gegenüber, aus einem Plattenstudio, jener Rockabilly-Sound dringt, den die Welt mit Elvis identifizieren wird, mit jener Mischung aus »schwarzem Beat und weißer Setimentalität«, wie es Nik Cohn in seinem Buch A Wop Bopa Loo Bop A Lop Bam Boom auf den Punkt brachte.

Also wählt er ein schwarzes Hemd und eine schwarze Hose, also macht er sich auf den Weg, also folgt die Erweckungsszene eines jeden großen Musikfilms: wie der Held hier sein Lied singt und sich zuerst Langeweile in den Mienen der Zuhörer ausbreitet, wie da der Plattenproduzent Sam Phillips das Vorspielen abbricht und erklärt, das kenne man schon, das sei nicht Neues, vor allem – es sei nicht wirklich gefühlt.

»Ich glaube Ihnen das nicht.« Und wenn dann Johnny Cash einen selbst geschriebenen Song anstimmt, ganz vorsichtig und zögernd seinen Folsom Prison Blues, und die beiden Musiker, die ihm den Bass zupfen und die Gitarre picken, langsam die Brauen heben und die Finger die unbekannten Akkorde wie von selbst finden und der Song und die Gesichter Strophe um Strophe mehr leuchten, bis der Mann in Schwarz gewonnen hat, dann, ja dann hat man wieder die Waffen gestreckt und schluckt.