Integration Deutschstunden

Asad Suleman kämpft für die deutsche Sprache auf seinem Schulhof in Berlin-Wedding. Plötzlich steht er im Mittelpunkt einer Debatte, die das Land verändern kann

Asad Suleman hat in dieser letzten Woche so viel über Deutschland gelernt wie wohl in seinem ganzen vorherigen Leben nicht. Der 16-jährige Schülersprecher der Herbert-Hoover-Oberschule im Berliner Wedding hat einen tiefen Einblick in die Mechanik der deutschen Debattenkultur bekommen – denn plötzlich fand er sich mittendrin. Dutzende Interviews hat er gegeben, in allen großen Zeitungen war sein Bild. Am Sonntagabend durfte er sogar bei ein paar Sätze sagen, was allerdings knallharte Debattenprofis wie den Kriminologen Christian Pfeiffer und Claudia Roth nicht davon abhielt, ihre mitgebrachten Meinungen zum Besten zu geben.

Zu den Dingen, die Asad Suleman in diesen Tagen gelernt hat, gehört zum Beispiel, dass man von seinesgleichen eigentlich keine eigene Meinung erwartet. Einer wie Asad Suleman kann nur ein Opfer der deutschen Gesellschaft sein. Wenn so einer etwas sagt, dass nicht in dieses Schema passt, ist das für manche höchst verwirrend. Asad jedoch scheint allmählich Spaß daran zu finden, ebendiese Verwirrung zu erzeugen.

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Eine Woche lang stand seine Realschule im Mittelpunkt der Debatte um Integration. Ist es legitim, auf dem Schulhof den Gebrauch der deutschen Sprache vorzuschreiben? Vom Weser-Kurier bis hin zu al-Dschasira wurde diese Frage leidenschaftlich diskutiert. In dem Drama, das um die Deutschpflicht an seiner Schule inszeniert wurde, fiel Asad Suleman eine ungewöhnliche Rolle zu: Er musste sein Bekenntnis zur deutschen Sprache gegen eine geschlossene Front der Ablehnung verteidigen. Verkehrte Welt: Ein Migrantenkind – Asads Eltern kommen aus Pakistan – stand unerschütterlich gegen seine selbst ernannten Fürsprecher von den Grünen und von den türkischen Verbänden. Asad verteidigte Mal um Mal die Hausordnung seiner Schule, in der festgelegt ist, dass jederzeit Deutsch zu sprechen sei, in den Pausen ebenso wie im Unterricht und auf Klassenfahrten.

Die Stimmungsmache gegen die Schule hat ihre Spuren hinterlassen

Der Höhepunkt dieser Woche, die Asad und seine Schulfreunde wohl nie vergessen werden, ereignete sich vergangenen Freitag. Auf einer Pressekonferenz am letzten Schultag vor den Winterferien drängten Dutzende Reporter sich in einem der winzigen Klassenzimmer der Weddinger Schule zusammen. An der hinteren Wand hatten mehrere Fernsehteams ihr schweres Gerät aufgebaut. Der Konrektor der Schule, ein Sprecher des Bildungssenators und einige Schüler standen wieder einmal Rede und Antwort. Die Reporter wollten wissen, ob die Deutschpflicht nicht doch unter Zwang und Sanktionen durchgepaukt worden sei. »Nein«, antwortete Halime Narin, Asads Stellvertreterin. »Wir wurden nicht gezwungen. Wir wollen selber gerne Deutsch sprechen. Es gibt auch keine Strafen, wenn wir doch einmal in unsere Muttersprachen überwechseln.« Bedrückte Mienen auf den Rängen. Die zahlreich anwesenden Vertreter der türkischen Verbände mochten es dabei nicht belassen und versuchten geradezu verzweifelt, den anwesenden Schülern ein Gefühl der Unterdrückung zu entlocken. Vergebens.

Denn mit einem wie Asad hatte niemand gerechnet. An seiner ruhigen, selbstbewussten Präsenz prallte die Aufgeregtheit der Kritiker ab, die seine Schule als Exempel für Diskriminierung und Ausgrenzung hinstellen wollen. Eine Reporterin fragte: »Wie fühlt ihr Schüler euch denn hier so als Opfer?« Asad gab lächelnd zurück: »Ich verstehe die Frage nicht. Können Sie bitte präzisieren?« Der ganze Saal – bis auf die zunehmend säuerlichen Migrantenvertreter und einen Herrn aus der türkischen Botschaft – brach in Gelächter aus. Die inszenierte Aufregung brach in sich zusammen. Man hatte etwas Erstaunliches erlebt: Ein junger Mann mitten aus der viel beschworenen Parallelgesellschaft, der die wohlwollende Nötigung der angereisten Berufsempörten, er möge sich endlich ordnungsgemäß als Opfer darstellen, freundlich und bestimmt zurückweist. Es war ein bemerkenswerter Moment für das Einwanderungsland Deutschland.

Um zu verstehen, wie es zu diesem Moment kommen konnte, muss man zwei Geschichten erzählen, die sich in ihm verknoten. Die Erste handelt von einer Schule, die sich verändert, weil die Gesellschaft um sie herum sich radikal wandelt. Die zweite Geschichte handelt davon, wie diese Schule eben darum zur Zielscheibe einer Kampagne wird.

Jutta Steinkamp, die Direktorin der Hoover-Schule, unterrichtet seit 1989 an der Pankstraße im Berliner Norden. Der Wedding war immer ein schwieriges Viertel, doch nach dem Jahr 2000 spitzte sich die Lage zu. Der Anteil an Kindern mit »nichtdeutscher Herkunftssprache« stieg seither dramatisch an – von bereits alarmierenden 60 Prozent auf den heutigen Wert von 90,8 Prozent. Viele dieser Kinder sind deutsche Staatsbürger, doch in den Familien wird wenig oder überhaupt nicht Deutsch gesprochen. Nicht nur die Deutschen begannen den Kiez zu verlassen, auch die ambitionierten Migranten zogen in die Wohnquartiere mit den besseren Schulen. »Wir hatten es hier zunehmend mit Kindern aus den bildungsfernen Schichten der Migranten zu tun«, sagt Jutta Steinkamp. »Die Deutschkenntnisse wurden immer schlechter.« Gleichzeitig nahmen die Gewaltvorfälle an der Schule zu, was Jutta Steinkamp nicht verwundert, weil die Verständigung der Kinder untereinander immer schwerer wurde. Sie habe zwei Lehrerinnen verloren, sagt Steinkamp, »die das Macho-Gehabe mancher Jungs hier einfach nicht mehr aushalten konnten«. Auch bei manchen Elterngesprächen, erzählt der Konrektor Hans-Joachim Schriefer, sei Verständigung kaum möglich. Viele junge Mütter hätten nur extrem rudimentäre Sprachkenntnisse, weil sie offenbar erst als Bräute aus den Herkunftsländern geholt worden seien und keine Kontakte zu Deutschen haben: »Sie erzählen der Mutter dann vom Bildungsfortschritt oder von den Problemen der Kinder, aber ob überhaupt irgendwas auf der anderen Seite ankommt, wissen Sie am Ende manchmal nicht.« Viele Familien im Viertel sind in der dritten Generation von Sozialhilfe abhängig. Analphabetismus ist bei den Eltern keine Seltenheit. Wenn Konrektor Schriefer die Arbeitsgrundlage seiner Schule beschreibt, beeilt er sich gleich hinzuzufügen, dass dies zwar sicher kein leichter Job, aber doch eine schöne und wichtige Aufgabe sei, »die wir hier alle gerne machen«. Man merkt, dass er vorsichtig geworden ist. Die Stimmungsmache gegen seine Schule hat Spuren hinterlassen.

Es musste also etwas geschehen. »Unsere Schule war vor vier Jahren mitten im freien Fall«, sagt Jutta Steinkamp. Ein neues Schulkonzept wurde entwickelt, um den Niedergang abzubremsen. Zu Beginn des siebten Schuljahres – in Berlin dauert die Grundschule regulär sechs Jahre – müssen alle Kinder einen Spracheingangstest absolvieren, bei dem ihre Leistungsfähigkeit geprüft wird. Dann kommen sie in Kleingruppen zu je 16 Schülern, um intensiv ihre Deutschkenntnisse zu verbessern. »Die Gruppen«, erklärt Jutta Steinkamp, »setzen wir bewusst heterogen aus guten und weniger guten Schülern zusammen, damit sie voneinander lernen können und damit sich niemand ausgegrenzt fühlt.« Statt der regulären vier Deutschstunden erhalten die Kinder an der Hoover-Schule sechs pro Woche. Nach einem Jahr wird der Sprachtest wiederholt, um den Erfolg zu messen. Und die Verbesserungen sind nach einhelliger Auskunft von Lehrern, Schülern und der Schulbehörde deutlich erkennbar.

Die Entscheidung, das Deutschsprechen auch in den Pausen in die Hausordnung aufzunehmen, war eine Folge dieses neuen Konzepts. Es ist nicht ungewöhnlich, dass in den Klassen der Hoover-Schule Schüler mit acht verschiedenen Herkunftssprachen zusammenkommen. Die Türken stellen die größte Gruppe, gefolgt von Arabern, Serben und Kroaten, Pakistanis, Russen und Tschechen. »Es ist eine böswillige Verdrehung«, so Steinkamp, »wenn unsere Deutschpflicht als Zwangsgermanisierung dargestellt wird. Es geht schlicht darum, eine verbindliche Verkehrssprache zu etablieren, um den Schulbetrieb überhaupt zu gewährleisten.« Die Mehrzahl der Schüler hat zu Hause und unter Freunden kaum Gelegenheit, Deutsch zu reden. Darum entschloss sich die Schule, den Spracherfahrungsraum für die Schüler so weit wie möglich zu dehnen. Dahinter steckt die Erkenntnis, dass der Spracherwerb nicht nur im Unterricht, sondern auch in spielerischer, ungezwungener Form im Gespräch mit Freunden stattfindet. Es geht also gerade nicht um Zwang und Verbot, sondern um eine Selbstverpflichtung zum zwanglosen, alltäglichen Umgang mit dem Deutschen.

Mit allen 14 Klassen wurde die Idee der Deutschpflicht debattiert. Nur in zwei Klassen wurden Bedenken geäußert. Die Schulkonferenz – die Gesamtvertretung von Lehren, Schülern und Eltern – verabschiedete im März 2005 einstimmig den Beschluss, dass in der Schule ausschließlich Deutsch gesprochen werden solle. Jutta Steinkamp war besonders erfreut von der Tatsache, dass die Eltern die Kinder vom Sinn des Experiments überzeugt haben: »Da zeigte sich endlich eine neue Wertschätzung von Bildung, die wir schon lange fordern.« Es wurden zunächst keine Klagen gegen diese Selbstverpflichtung laut. Im Gegenteil: Die Anmeldungen schnellten seit der Verabschiedung der Hausordnung um 20 Prozent in die Höhe, auch bei deutschen Schülern. Asad resümiert: »Unser Deutsch hat sich im letzten Jahr verbessert, und auch die Aggressionen gehen zurück, seitdem sich alle in einer Sprache zu verständigen versuchen.« Die Hoover-Schule war auf einem guten Weg.

Doch dann erscheint am 19. Januar 2006 ein Artikel in der größten türkischen Zeitung Hürriyet , der in erregtem Ton von der Weddinger Schule berichtet. Und damit nimmt die zweite Geschichte ihren Lauf, in der sich der Selbstrettungsversuch einer Problemschule in das »Sprachverbot« verwandelt. Der bildungspolitische Sprecher der Berliner Grünen, Özcan Mutlu, ruft auf den Artikel hin Jutta Steinkamp an und stellt sie barsch zur Rede. Sie habe nun die Chance, sich zu rechtfertigen. Er werde die Sache im Abgeordnetenhaus zur Sprache bringen. Mutlu konfrontiert im Bildungsauschuss den Schulsenator Klaus Böger (SPD) mit der Regelung der Schule. Der verteidigt sie als demokratische, eigenverantwortliche Entscheidung. Mutlu aber verschickt anklagende Pressemitteilungen und legt am 24. Februar in der rechtslastigen Zeitung Türkiye noch einmal heftig nach. Die Zeitung unterstellt der Hoover-Schule eine »Verbotsmentalität«, »die Hass und Diskriminierung fördert«. Unter der Überschrift Unvorstellbare Praxis gegen Migranten in Europa lässt Mutlu sich zitieren: »Es ist kein Zufall, dass es nach dem gegen Muslime gerichteten Gewissenstest und dem Wunsch, das Zuwanderungsrecht zu verschärfen, jetzt im Bundesland Berlin ein Verbot gibt, in der Schule die Muttersprache zu sprechen.« Das ist eine höchst böswillige Insinuation. Und der grüne Abgeordnete kann sich nicht mit Ahnungslosigkeit über den tatsächlichen Prozess an der Schule herausreden. Wie später bekannt wurde, geht das Kind eines seiner Verwandten auf die Hoover-Schule. Mutlu wiegelt ab: »Wir haben eine sehr große Familie.«

Die SPD-Bundestagsabgeordnete Lale Akgün behauptet in Türkiye ebenfalls: Kinder würden ausgegrenzt, die Praxis der Schule sei »ein mit bloßem Auge zu erkennender Schritt der Assimilationspolitik«. Doch Özcan Mutlu will sich offenbar die Butter nicht vom Brot nehmen lassen und verschärft den Ton: »Keine Schule kann sich in dieser Weise gegen die Gesetze stellen. Das Verbot (…) ist verfassungswidrig. (…) Wer heute eine Sprache verbietet, wird morgen eine andere Sache verbieten. Wir werden bis zum Schluss unsere Reaktion zeigen. Ich möchte, dass alle, insbesondere die in Deutschland tätigen türkischen Organisationen ihre Reaktionen auf diese Praxis zeigen.«

Und genau so kommt es dann auch: Der Türkische Bund erkennt »Diskrimierung«, der Türkische Elternverein bemerkt »Ausgrenzung«, der Türkische Lehrerverband sieht die »Grundrechte der Schüler verletzt«, der Türkische Studentenverband befürchtet die sprachliche Verarmung der betroffenen Kinder. Doch wie können die Kritiker erklären, dass die vermeintlichen Opfer freiwillig mitmachen? Turgut Hüner, der Vorsitzende des Elternvereins, weiß nur eine Erklärung: Sie müssen wohl »hinters Licht geführt worden« sein. Er muss zwar zugeben, dass ihm keine Klagen von Eltern oder Schülern bekannt sind: »Ich spreche aber für die Eltern, die sich noch beschweren werden.«

Geht es um bessere Chancen für die Schüler – oder um einen Kulturkampf?

Keiner der empörten Verbandsvertreter und Politiker hat es für nötig befunden, mit der Schule oder mit den Elternvertretern ein klärendes Gespräch zu suchen. Der Elternsprecher der Hoover-Schule, Yener Polat, selber Deutschtürke, verwahrt sich denn auch gegen die Entmündigung durch die selbst ernannten Minderheitensprecher. Er lässt sich nicht einreden, durch seine Zustimmung das Türkentum verraten zu haben. Die Sprecherin des Türkischen Bundes, Eren Unsal, kümmert das alles nicht. Sie reagiert genervt, wenn man ihr mit den Details des Weddinger Schulkonzepts kommt. Es gehe gar nicht um »Regelungen an einzelnen Schulen: Wir wollen politisieren.«

Diesen Eindruck kann man allerdings gewinnen. Es ist nicht das erste Mal, dass türkischstämmige Politiker in Hürriyet und Türkiye an die gekränkte Ehre ihrer Landsleute appellieren und den türkischen Nationalismus hemmungslos bedienen – offenbar in der trügerischen Sicherheit, dass die türkischen Medien eine abgeschottete Suböffentlichkeit darstellen. Die wohlorganisierte Einheitsfront aus türkischer Presse, türkischen Verbänden und Politikern, die über die Hoover-Schule hergefallen ist, muss sich die Frage gefallen lassen, ob es ihr überhaupt um bessere Chancen für die Schüler geht. Oder sollte hier bloß ein Kulturkampf eröffnet werden, in dem es schlichtweg um die Hegemonie im Streit um Integration geht? Das wäre dann allerdings gründlich danebengegangen.

Die Schule, die man sich für dieses Exempel herausgepickt hat, konnte in dem erhitzten Meinungsklima der vergangenen Woche ihre erfolgreiche Arbeit nicht fortführen. Es herrschte Ausnahmezustand. Jutta Steinkamp erwischte sich eines Morgens dabei, dass sie überlegte, ihre Lieblingsjacke – einen Trachtenjanker – lieber nicht zur Schule anzuziehen. Ein türkisches Fernsehteam hatte sich nämlich angekündigt. »Mit dieser kerndeutschen Jacke«, ging ihr durch den Kopf, »bist du da gleich unten durch. Als Nächstes habe ich mich dann allerdings gefragt, ob hier eigentlich alle verrückt geworden sind.« Jetzt sind zum Glück erst einmal Ferien in Berlin.

Die Hoover-Schule hat eine erstaunliche Achterbahnfahrt hinter sich: Als Zwangsgermanisierungsanstalt in die Öffentlichkeit gezerrt, wird sie jetzt als ein mögliches Modell für Problemschulen in ganz Deutschland debattiert. Manchmal arbeiten sich die richtigen Fragen wie von selbst heraus, und die Wirklichkeit rebelliert gegen die Meinungsmacherei. Es ist erfreulicherweise doch nicht so einfach, die deutsche Öffentlichkeit zu hysterisieren. Dass es diesmal am Ende nicht so kam, haben wir jungen Leuten wie Asad zu verdanken, die gegen viele Widerstände Deutsch lernen und für sich selbst zu sprechen beginnen.

 
Leser-Kommentare
  1. Den jungen Mann, der bei der S.Christiansen Talkshow den Gegnern den Wind aus den Segeln nahm wird sicher seinen Weg machen.Gut so

  2. 2. Lob!

    \N

  3. http://www.radikal.com.tr/
    u. das sprichwort ist bereits im titel übersetzt, wer lesen kann ist bekanntlich klar im vorteil...

  4. Lese Ihren Kommentar muss aber sagen SOL...

  5. Deinen Worten entnehme ich, dass Du dich ziemlich unwohl fühlst hier in Deutschland.
    Schade ! Aber kann ich manchmal verstehen!

    Deine Zusammenfasung ist:
    Politiker alle ignorant und diese Direktorin eine germanische Zwangspädagogin.
    Das der deutschen Regierung die "Gastarbeiter" sehr lange ziemlich egal waren und nur als billige Arbeitskräfte für die Bandarbeit gut waren, den Eindruck bekommt man wirklich.

    Die Bildungspolitik hat viele Jahre die Situation der Einwanderer ignoriert. Speziell denke ich an Einwanderer mit geringer Bildung und mangelhaften Sprachkompetenzen.
    Deren Kinder müssen daher um so mehr dazu animiert werden, die Sprache dieses Landes zu beherrschen, um nicht schon deswegen aus der Gesellschaft ausgeschlossen zu sein.

    Versuche einmal die Intention der Direktorin zu erkennen, die ist kein germanische Kasernentante, so wie Du das unterschwellig rüberbringst.
    Komm einfach von deinem hohen moralischen Ross herunter.
    Du hast ja das Schulkonzept "durchleuchtet". Bitte dann schicke mir mal das Original per mail!

    Überdenke einmal dein Feindbild "Lehrer", deine Pauschalisierungen sind indiskutabel.

    Meine Mutter war 35 Jahre Lehrerin (Russisch und Geographie) und auch Direktorin einer Schule.
    Nach der deutschen Einheit gab es sehr viele Zuzüge von Russlanddeutschen und jüdischen Migranten in die Neuen Bundesländer.
    Da existiert genau das gleiche Problem mit der Sprache.
    Sie hat sich den Arsch aufgerissen für die Kinder !!!
    Ja, Sie kennt Russland und Sie kann Russisch sehr gut !!!Das gab ihr einen besseren Zugang zu den Schülern die nur Russisch sprechen konnten.
    Aber leider ist Eltern die Problematik mit der Sprache nicht immer bewusst und einigen ist es auch manchmal
    scheinbar ziemlich egal!
    Na klar hat das Gründe ... Arbeitslosigkeit, kaputte Familien ... .
    Genauso wie bei vielen deutschen Eltern !

    Daher kann ich das ohnmächtige Gefühl der Direktorin gut nachvollziehen.

    Du scheinst ja eher ein eher liberaler Mensch zu sein, dann lese auch liberale Presse! Oder gibt es so etwas nicht für Dich hier in Deutschland?

    Wer ist "man" ? Dein schlechtgelaunter deutscher xenophobischer Nachbar? Die Konservativen, die SPD oder irgendwie alle? Sei mal konkreter!
    Gibt es für Dich überhaupt noch besonnene Politiker und Menschen hier in Deutschland?
    Während meines Studiums habe ich in Leipzig einige unschöne Diskussionen mit megaüberzeugten Moslems miterleben dürfen.
    Deutschland und den Westen allgemein fanden Sie ziemlich verkommen. Bloss die Art, wie Sie das überbrachten war wirklich befremdlich: "Wir sind die Guten und Ihr die Bösen"
    In deren megaüberzeugter Sichtweise war ich nur ein bedauernswerter "armer Ungläubiger" der sein Leben wie ein Tier gestaltet.
    Diese Menschen sind allerdings keine Richtschnur für mich, wenn ich über den Islam und die arabische Welt urteile.
    Ich habe zu viele angenehme Erlebnisse mit anderen aufgeklärten Moslems und Arabern gehabt.
    Das gleiche solltest Du auch mit Deutschen versuchen !!!
    Schreib mir eine Mail! Vielleicht machst Du neue Erfahrungen mit den Germanen hier.

    Ich diskutiere gerade mit Herrn Mutlu per Mail und versuche ihm gerade klar zu machen, dass es unseriös ist Pressemitteilungen zu verschicken, die auf dürftigen Informationen basieren.
    Seinen "sachlichen" Ton durfte ich letzte Woche per Telefon geniessen. Mich wundert die Reaktion von der Dirktorin gar nicht.
    Finde ich schon sehr exemplarisch: ein Politiker ruft empört die Presse und gibt später kleinlaut zu: "Hätte ich gewusst das ...., dann hätte ich nicht das gesagt"
    Die Grundintention seiner politischen Arbeit finde ich trotzdem gut, bloss die Intention der Direktorin ist es auch.
    Als Politiker der sich für Integration engagiert sollte er jedoch sachlich auf die Eltern einwirken, die dann gleich zu Hürriyet weiterspaziert sind.

    Wieviel Zeitungen von "Radikal" werden denn in Deutschland vertrieben? Bestimmt nicht sehr viele oder?
    Schick mir mal bitte den Link der Online-Ausgabe von "Radikal".

    So und Hürriyet ... die brauchst Du nicht zu verteidigen.
    Das ist ja eine Zeitung auf Bild-Niveau.
    Nur unter der Bild steht nicht "Deutschland den Deutschen".
    Die Hürriyet hat mit dem Motto "Die Türkei den Türken" kein Problem. Wahrscheinlich nutzt Sie dieses Motto auch ganz bewusst.
    Trotzdem ist Bild eine typische Boulevardzeitung und ich bedauere jeden Deutschen der dieses Blatt als alleiniges Informationsmedium nutzt. Das wäre echt schädlich für die Demokratie.
    Gefährlich wird es, wenn Hürriyet und Bild politisch-
    moralische Kampagnen anschieben und Politiker es sich, wie in diesem Fall, sehr einfach machen und in die nächste Fernsehkamera ihre Empörung reinblaffen.

    Leider war die Hürriyet Zeitung mit ein Motor des Skandals. Klar, die Bild war auch ziemlich peinlich.

    Mh ... wiklich ein schönes Sprichwort. Ist es das vollständige Sprichwort?
    Ich dachte es heisst: "Bir dil bir insan œ ikidil, ikiinsan"
    Wenn du nicht nur zeigen willst, wie gut dein türkisch ist, dann darf man ja mal auch die deutsche Übersetzung hinschreiben.
    Ich habe mal gegoogelt, aber viele Übersetzungen gibt es nicht.

    So ... und zu welchem Schluss kommen wir ?

    Ich werde mich mit der türkischen Sprache beschäftigen, denn ich möchte mir nämlich mal das Grabmal von Hannibal anschauen und rate mal wo das liegt?
    Nu skaschi mne? W kakom gorode w turzii on leschit?

    Das ist Russisch mit lateinischen Buchstaben :-) Gib das mal einem russischsprechenden Bekannten von Dir zum übersetzen!
    Mich interessiert deine Antwort!

    E-Mail: tmieth@hotmail.com

    • texter
    • 02.02.2006 um 14:09 Uhr

    Lieber Jörg Lau,

    ich gratuliere zur guten Recherche! Der unaufgeregte Stil bildet einen wunderbaren Kontrast zu der Absurdität der medialen Debatten in den vergangenen zwei Wochen, die beim Lesen Ihres Artikels im lauten Lachen untergeht.

    Die Reportage bildet ein starkes und wertvolles Gegengewicht zu einem in der vorigen ZEIT erschienen Kommentar von Susanne Mayer, der sich zwar auf das gleiche Thema bezog, aber zu völlig verqueren Schlussfolgerungen kam (http://www.zeit.de/online...).

    Holger Klemm

  6. Stimmt, mit dem Lesen hast du recht.
    Allerdings dachte ich, ohne in Krümelkackerei jetzt verfallen zu wollen, dass der Spruch noch weitergeht. Nämlich:

    Bir dil bir insan œ ikidil, ikiinsan.
    Eine Sprache, ein Mensch. Zwei Sprachen, zwei Menschen.

    Aber vielleicht ist dieser Zusatz nicht so verbreitet. Ich beziehe mich da auf eine Quelle aus dem Internet und mir fehlen die Türkischkenntnisse um diese beurteilen zu können.

    Danke für die Mail und den Link.

  7. Schlagzeilen, die Migranten betreffen, sind momentan mehr "in" denn je. Gemach, gemach, möchte man zurufen, denn der Blick hinter die Kulissen führt vor Augen, dass sich an der Art wie debattiert wird, nichts grundlegendes geändert hat. Nach wie vor wird einem das Generalschuldgefühl indoktriniert, Migranten hätten keine anderen Motive wie sich immer in Unterdrückung zu wähnen und je neuer bildungspolitischer Massnahme auf der Lauer nach einer Opferrolle zu sein. Migrantenkinder würden sich als Opfer der Zwangsgermanisierung in deutschen Schulen sehen, so wird auf höchst seriösem Niveau berichtet. Ob man uns beschimpft, "Berufsempörte" zu sein u. dauerhaft Repressalien diesen Staates zu beklagen, an Neulogismen fehlt es derzeit keinem Journalisten. Vorallen Dingen - so sagt man uns nach - vermuteten wir hinter jedem Vorstoss, Zustände der Verständigung zwischen Migranten und Nicht-Migranten zu schaffen, aggressives Werben für eine Assimilationspolitik. Doch wie sieht denn dieses pädagogisch wertvolle Verständigungskonzept denn de facto aus ? Durchleuchtet man das Neukonzept dieser Schule in Berlin, sticht einem sofort ins Auge, dass die Direktorin der Hoover Schule verkündet, es gebe an dieser Schule gute u. weniger gute Schüler. Meint sie schwarze und weisse Schafe ? Oder guter Polizist ? Böser Polizist ? Deutscher ? Türke ? Die Hoover Schule ist eine "Problemschule", so lesen wir weiter. Nicht rein zufällig, weil 90% der Schüler nicht deutscher Herkunft sind ? Wann hören diese ohnmächtigen Versuche auf, mit Alibiversuchen und Ablenkungsmanöver, Versuche für defizitäre Schulpolitik und bildungspolitischem Versagen zu rechtfertigen ? Zu guter letzt schliesst der Artikel mit einer Ohrfeige auf die türkische "Yellow Press" ab. Dass ist so, wie wenn ich mich über einen "Artikel" in der Bild aufregen würde... ergo vergebens. Anspruchsvolle Zeitungen wie z.B. Radikal, in der sachlich debattiert wird, oder andere kritische türkische Medienorgane haben Ihren bis nach Deutschland scheinbar noch nicht gemacht. Jeder soll die Sprache sprechen, die er vermag. Bitte auch auf Klassenfahrten und Schulhöfen. Jeder möge Förderunterricht in Deutsch erhalten, wo begrüsst. Statt Sprachverbot möchte man kontern mit dem Angebot, auch an Berliner Schulen nachmittags in einer AG Fremdsprachenunterricht der nicht konventionellen Sorte anzubieten ? Wie wäre es mit Arabisch, Kroatisch oder Swahili ? Esperanto ? Nicht umsonst heisst ein türkisches Sprichwort: "Bir dil, bir insan". Wenn das die hiessige Schulpolitik doch nur auch verstünde...

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