Berlinale Zwischen Rom und Bagdad

Noch fehlt der große Berlusconi-Film. Und doch beginnt sich das italienische Kino endlich zu politisieren

Zwölf Jahre alt ist der Berlusconismus, und doch war er für das europäische Kino noch kein Thema. Der große italienische Film über die tiefgreifende Veränderung und Degeneration, die Berlusconis Medienpopulismus im Land bewirkt hat, ist ebenfalls noch ausgeblieben. Renommierte Regisseure wie Nanni Moretti suchten die Konfrontation lieber auf der Piazza statt auf der Leinwand. Im März soll nun Morettis neuer Film Il caimano herauskommen, der den Aufstieg des Großen Kommunikators thematisiert und um den, wie bei allen Filmen des römischen Kultregisseurs, im Vorfeld aufregte Geheimniskrämerei veranstaltet wird. Die Kabarettistin Sabina Guzzanti hat sich mit Viva Zapatero! bereits im vergangenen Jahr auf das schwierige Terrain gewagt und eine Collage in Michael-Moore-Manier präsentiert, die trotz ihrer offensichtlichen künstlerischen Mängel bei Publikum und Kritik überwiegend positiv aufgenommen wurde – der politischen Botschaft wegen.

Mit Berlusconis Italien beschäftigen sich, auf höchst unterschiedliche Weise, auch zwei Berlinale-Filme. Roberto Benignis Il tigre e la neve erzählt eine Liebesgeschichte zwischen Bagdad und Rom, in der die politischen Verhältnisse nonchalant zur Kulisse minimalisiert werden. Bye Bye Berlusconi des deutschen Regisseurs Jan Henrik Stahlberg ist eine Satire, die sich um die Entführung des im Film als »Micky Laus« verfremdeten Ministerpräsidenten dreht, in ihrer savonarolaesken Verbissenheit aber weitgehend humorlos wirkt.

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Benigni geht es nicht um Politik, sondern um Poesie. Er spielt den römischen Literaturprofessor Attilio, den die Liebe zu seiner Angebeteten Vittoria (Benignis Frau Nicoletta Braschi, auch Produzentin des Films) mitten ins Kriegsgeschehen von Bagdad treibt. Dort liegt Vittoria schwer verletzt im Koma, todgeweiht ohne Medikamente. Attilio aber scheut weder Kamelritte noch Minenfelder, um die Arznei zu beschaffen und sie zu retten.

Wie alle Benigni-Filme lebt auch La tigre e la neve von der kindlich-poetischen Fantasie des italienischen Chefkomödianten. Wie alle Benigni-Filme ist auch dieser eine Liebeserklärung an Nicoletta Braschi. Wie immer wünscht sich der Zuschauer, Benigni möge das nächste Mal seine unvermeidliche Gattin einfach mit einer Widmung bedenken und nicht schon wieder mit einer Hauptrolle – obwohl die langen Koma-Passagen diesmal schadensbegrenzend wirken.

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