Berlinale ... der Hörer aus der Hand fiel

Die Schauspielerin Tilda Swinton über einen Telefonanruf, für den sie 1988 den Ehren-Teddy bekam

Ich erinnere mich ganz genau daran, wie es dazu kam, dass ich meinen wundervollen Teddy-Preis bekam, aber merkwürdigerweise nicht an den Zeitpunkt – war es 1988? Ich war in Berlin als Mitglied der internationalen Jury des Wettbewerbs der Filmfestspiele und die jüngste dieser illustren und angesehenen Schar. Eben in diesem Jahr kam die britische Regierung unter der Fuchtel von Frau Thatcher auf die Idee, schwule Kultur zu verfolgen – das betraf Buchläden, Kulturzentren, schwule Aufklärungsarbeit in Schulen und so weiter – und zwar mittels des Absatzes 28 zum Gesetz über Bürgerrechte. Alle, die in der Bewegung gegen dieses Gesetz aktiv waren, verbrachten einen Großteil des Jahres damit, um jeden Preis die öffentliche Aufmerksamkeit auf unsere Sache zu lenken.

Ich erinnere mich, wie ich mich um die Unterstützung von Richard Attenborough bemühte, der prominentesten Figur der britischen Kulturszene – stets ein Kämpfer für die gerechte Sache. Er hielt sich damals gerade in Berlin auf, um seinen Film über Steve Biko vorzustellen. Also wollte ich ihn um eine Art öffentliches Statement zur Unterstützung unseres Widerstandes gegen Absatz 28 bitten. Ich weiß noch, dass ich, als ich ihn anrief, eine so schweißnasse Hand hatte, dass mir der Hörer tatsächlich auf den Teppich und unter das Bett fiel, obwohl Attenborough noch nicht einmal abgenommen hatte. Dass ich hinterher für solch eine nicht gerade todesmutige Aktion einen Preis erhalten sollte, berührte mich tief. Es war die Bestätigung, dass auch die kleinsten Gesten der Rebellion – wenn man einen Sinn für das Rebellische in einer von Spießern regierten Welt hat – Überwindung kosten. Die echten Verbündeten jedenfalls wissen es zu würdigen, wenn man sich trotz Schüchternheit und Schweißausbrüchen zu ein bisschen Aufruhr durchringt. Auch wenn – wie in diesem Fall – Margaret Thatcher keine Notiz davon nimmt.

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Ich verbeuge mich in Dankbarkeit und Liebe vor dem Teddy und grüße ihn zu seinem – sehr reifen – 20. Geburtstag. Immer noch weich und flauschig nach all den Jahren…

 
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