Langlauf Was macht Behle?Seite 3/3

»Wir Mitteleuropäer konnten im Langlauf aufholen, weil die Skandinavier die Entwicklung verschlafen haben« , sagt Jochen Behle. Er hat profitiert vom Wandel des nordischen Skilaufs zum Mediensport: Als er selbst noch in die Loipe ging, gab es nur den Einzelstart in der klassischen Technik. Jeder musste sein eigenes Rennen gegen die Uhr laufen. Gleich nach dem Start verschwanden die Athleten im Wald, aus dem sie erst nach Stunden wieder herauskamen. Heute fährt die Kamera auf einem Skidoo neben den Läufern her, dass dem Publikum auch ja kein Strauchler entgeht. Ein Fernsehkommentator könnte heute nicht mehr fragen: »Wo ist Behle?«

Mittlerweile ist der Langlauf für die Zuschauer geradezu spektakulär geworden. Die Saison beginnt mit einem Sprintrennen auf Kunstschnee in Düsseldorf. Die dynamische Skating-Technik, in der sich die Läufer im Schlittschuhschritt bewegen, wurde eingeführt, es gibt den Massenstart, im großen Pulk werden taktische Rennen gelaufen. Die Anforderungen an den Athleten haben sich geändert, dem haben die traditionalistischen Skandinavier erst mit Verzögerung Rechnung getragen.

Anzeige

Am Monitor auf dem Feldherrnhügel verfolgt der Trainer, wie Tobias Angerer im Zielsprint den Schweden Soedergren niederkämpft. Behle reckt den linken Arm in die Höhe und ballt die Faust, sein italienischer Kollege gibt ihm einen anerkennenden Klaps auf den Kopf.

Bei den Frauen ist Claudia Künzel Zweite geworden. »Jetzt müssen wir der Marit Björgen einreden, dass sie Probleme mit der Höhe hat.« Es verrät viel über das System Behle, wie offen er über seine psychologische Kriegsführung redet. Die Norwegerin war bisher kaum zu schlagen, und die olympischen Rennen werden auf über 1500 Metern Meereshöhe ausgetragen. »Wenn beim Anstieg eins von meinen Mädels hinter ihr läuft, dann muss ich nur rufen: ›Du siehst doch, dass die Marit Probleme hat!‹« – Behle grinst. – »Die versteht ja Deutsch.«

 
Leser-Kommentare
  1. 1. Behle

    Sehr geehrter Herr Schweikle,
    zu Ihrem ausgezeichneten Artikel eine kleine Geschichte:
    Als Behle 19980 in Squaw Valley lief, sass ich in einem Schneesturm am Flughafen Chikago abflugbereit in einer Maschine fest. Ich habe damals für ITT Europe in Brüssel gearbeitet und war auf dem Weg nach Phönix/Arizona zu unserer damaligen Tochtergesellschaft ITT Courier. Während ich mich angeregt mit meinem Sitz-Nachbarn, einem Amerikaner, unterhielt, wurde im Bord-TV auf die Winterspiele umgeschaltet und zwar auf eben jenen 15kn Langlauf, den Sie beschreiben. Von Morawetz hörte ich natürlich nichts, dafür konnte ich mit einem Auge plötzlich entdecken, dass ein Läufer aus Germany -Behle nämlich- das Rennen für lange Zeit anführte. Ich muss dazu anführen, dass ich selbst aus Hemmighausen stamme, einem Nachbarort von Schwalefeld, wo Behle aufgewachsen ist. Beide Orte sind Teil der Gemeinde Willingen, bekannt durch die 150m Skisprundschanze 'Am Mühlenkopf'. Sie können sich vielleicht vorstellen, wie ich etwas hysterisch meinem Nachbarn erklärte, was da gerade sensationelles abging. Ich mutte allerdings an einen anderen Langläufer aus der Gegend denken, Herrn Schüssler aus Usseln, der beim 50km Langlauf der Olympischen Winterspiele in Oslo auch eine Weile geführt hatte, dann aber eingebrochen war und aufgeben musste. Behle blieb zwar nicht ganz vorne, beendete aber das Rennen, wie Sie mir in Erinnerung gerufen haben, auf dem achtbaren 12. Platz.Gesehen habe ich Behle in diesem Rennen auch nicht, dafür aber am Schlusstag der Spiele von Squaw Valley. Ich war immer noch in Phönix und habe dort die 4x10km Staffel verfolgt. Behle war damals schon Schlussläufer, übernahm irgendwo an 7. oder 8. Stelle liegend und brachte die Staffel bis auf den vierten Platz vor und besaß den Mut, zum Ende hin den übermächtigen Juha Mieto anzugreifen und zu überholen. Mieto hatte das 15km Rennen um eine Hundertstel-Sekunde geschlagen als Zweiter beendet und begriff überhaupt nicht, wer da an ihm vorbeidüste. Die Finnen haben doch noch Bronze gewonnen, Behle aber verteidigte den 4. Platz, was damals eine sensationelle Platzierung bedeutete. Duch Morawetz' "Wo ist Behle"-Ausruf ist diese sportliche Leistung leider ein wenig untergegangen. Behle hat immer wieder Staffeln aus aussichtsloser Position nach vorne gebracht, mit besseren Mitläufern wären sicher Medaillen für ihn drin gewesen. Als er schließlich in Nagano gute Mitstreiter hatte, war er außer Form und vergeigte die Staffel. Behle wird gelegentlich vorgeworfen, seine Mannschaft nicht punktgenau auf Großereignisse vorbereiten zu können. Ich gluabe allerdings, dass dabei Doping eine erhebliche Rolle spielt. Wie gerade erst wieder festzustellen war, holen sich bei Großereignissen Läufer und Läuferinnen die Medaillen, die ansonsten auf der Bildfläche nicht erscheinen, siehe Smiguna, Verpalu, wahrscheinlich auch die Italiener. Da erscheint es schon einigermaßen kurios, wenn in der Sueddeutschen Zeitung der deutschen Mannschaft - Beispiel Sachenbacher - subtil Doping unterstellt wird. Am gleichen Tag, an dem die Ärzte Jacob und Rehm in der SZ im Zusammenhang mit Hämoglobinwerten von "Zweifelhafte(n) Dopingtests" sprechen, wiederholt die Sportredaktion ihre Zweifel an der Sauberkeit der Mannschaft Behles und seiner eigenen Lauterkeit. Sie bemängelt 'Behles Schweigen'und meint, dass auch fünf Langlauf-Medaillen den Widerspruch bei Sachenbachers Blutwerten nicht klären können. Dass bei dem Verfasser drei und eins fünf ist, nämlich drei Silbermedaillen und eine Bronze-Medaille, muss ihn noch nicht als Fachmann für Blutwerte disqualifizieren. Wenn nun aber diese zwei Ärzte, dazu der Zellbiologe und ausgewiesenen Doping-Bekämpfer Prof. Franke der Meinung sind, dass der Hämoglobinwert keine große Aussagekraft hat und Schutzsperren unsinnig sind, solange weiter trainiert werden darf: was soll da der Bundestrainer Behle zu diesem Thema sagen? Und soll etwa Eva Sachenbacher jetzt ihre Unschuld beweisen müssen und wie, bitte schön, soll das funktionieren? Im zitierten Bericht der SZ über Behles Schweigen wird auch der Doping-Beauftragte des DSV zitiert. Danach könne Behle nicht überrascht sein über Tendenzen in der Langlauf-Szene, den Blutwert zu manipulieren, denn: "Da kennt sich auch der Bundestrainer sehr, sehr gut aus." Ich lese daraus einen versteckten Vorwurf heraus, was ich nicht sehr gelungen finde. Tatsache ist zunächst einmal, dass Behle als Läufer nach meinem Wissensstand nie mit Doping in Verbindung gebracht wurde, dass aber eine Reihe von Weltklasseläufern, die ihm Medaillen weggeschnappt haben, später als Dopingsünder entlarvt wurden, Beispiel der Finne Kirvesniemi und alle übrigen finnischen Spitzenläufer. Ganz abgesehen davon waren die Äußerungen Behles zum Österreich-Fall mehr als unangemessen. Aber der Mann ist nun einmal sehr offen und sehr direkt und ich glaube nicht, dass er die Methoden der Österreicher decken wollte, sondern sich eher an der Vorgehensweise der Carabinieri störte. Herrn Saltin wird von den beiden Ärzten kein gutes Zeugnis ausgestellt, gilt aber, wie ich von Prof. Baum aus Köln höre, als integer und nicht als jemand, der die deutsche Mannschaft besonders im Visier hat. Meiner Ansicht nach wäre es richtig, wenn man in Fällen wie Team Austria die gesamte Mannschaft aus dem Rennen nehmen würde. Verglichen mit dem anscheinend von ehemaligen DDR-Trainern übernommenen flächendeckenden Doping-Konzept in Austria erscheinen mir die Blutwerte vom Evilein ein wenig hochgespielt. Vielleicht nehmen Sie sich einmal des Themas an? MfG Klaus Küthe

Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren

Service