Schule Mangel? Welcher Mangel?Seite 2/2
Die GEW fordert stattdessen, auf die fast schon vergessenen Absolventen der achtziger Jahre zurückzugreifen, das Jahrzehnt, in dem es bundesweit fast einen kompletten Einstellungsstopp gegeben hatte. »Dadurch bekommen wir eine ausgeglichenere Altersstruktur an den Schulen«, sagt Gerd Köhler, der im Bundesvorstand der Gewerkschaft für Hochschule und Forschung zuständig ist. »Es wäre doch auch ökonomischer Unsinn, diese Leute außen vor zu lassen und stattdessen auf Seiteneinsteiger zurückzugreifen.« Die OECD-Experten schlagen in ihrer Lehrerstudie zudem vor, im Lehramtsstudium die Grenzen zwischen den Schulformen und den Schulfächern abzubauen. »Wir haben nicht nur ein fragmentiertes Schulsystem, sondern auch eine fragmentierte Lehrerbildung«, bestätigt Gerd Köhler. Die Umstellung der Lehramtsstudiengänge auf die europaweit gültigen gestuften Abschlüsse Bachelor und Master eröffne die Chance, Lehrer in Zukunft so auf den Beruf vorzubereiten, dass sie leichter schul- und fachübergreifend eingesetzt werden könnten. »Dann können die Kultusminister viel schneller auf Mangelsituationen reagieren«, so Köhler.
Berlins Schulsenator Böger stapelt allerdings tief, was mögliche Studienreformen angeht. »Wenn wir das Studium so hinbekämen, dass mancher nicht mehr erst im Referendariat eine mögliche Kinderphobie entdeckt, dann hätten wir schon eine Menge erreicht.« Ansonsten müsse man sich wohl mit weiteren Auf-und-ab-Bewegungen auf dem Lehrerarbeitsmarkt abfinden. »Es gibt einfach zu viele Unwägbarkeiten, von der Geburtenentwicklung bis zum Studierverhalten, um in den Prognosen immer richtig zu liegen.« Doch ganz gleich, ob Lehrermangel oder -arbeitslosigkeit, entscheidend sei, dass bei den Lehramtsstudenten die Motivation stimme: »Dann werden sie auch was finden. Gute Lehrer werden immer gebraucht.«
- Datum 07.08.2007 - 10:09 Uhr
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- Quelle DIE ZEIT 09.02.2006 Nr.7
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