interview »Ich zeichne jetzt mit Burka«

Der österreichische Karikaturist Manfred Deix hat sich für Ausländer »die Finger blutig« gezeichnet. Jetzt fühlt er sich durch Fundamentalisten bedroht

Dieses Thema wird von den ZEIT online-Lesern intensiv diskutiert

DIE ZEIT: Herr Deix, Sie zeichneten in der Vergangenheit nackte Bischöfe beim Schmusen, und Sie spotteten über Jesus. Würden Sie dieser Tage auch den Propheten Mohammed karikieren?

Manfred Deix: Ich zeichne jetzt nur noch mit der Burka. Man darf mit diesen Herrschaften mit den langen Bärten offenbar nicht spaßen. Wir erleben hier eine neue totalitäre Bedrohung. Würde ich über Mohammed scherzen, wäre ich in Lebensgefahr. Mir versagt fast die Stimme. Ich leide wie ein Hund. Es ist eine Katastrophe. Ich habe mir die Finger blutig gezeichnet, um die Benachteiligungen der Ausländer anzuprangern. Ich hab Jörg Haider jahrelang verhöhnt. Und jetzt wollen mir die Muslime das Zeichnen verbieten? Da ist etwas passiert.

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ZEIT: Was ist schief gelaufen?

Deix: Es gibt eine neue Generation von Muslimen, die Toleranz falsch versteht. Die jungen Fanatiker sollen doch einmal die Qualität des Lebens in Freiheit mit der Lebensqualität ihrer Eltern in arabischen Staaten vergleichen! Doch was geschieht? Sie prügeln die Schwester, weil sie vor der Ehe gespatzelt hat. Und jetzt verbieten sie uns die Pressefreiheit. Wissen die nicht, wie viele lustige Bilder ich über Jesus gemalt habe. Ich darf zeichnen, was ich will! Das ist meine Freiheit, die Freiheit der Kunst. Vor 20 Jahren haben mich die Skins bedroht, sie haben mir die Reifen aufgestochen. Und jetzt fühle ich mich wieder bedroht. Von jenen, für deren Rechte ich mit dem Stift gekämpft habe.

ZEIT: Gibt es denn keine Grenzen für Sie beim Spott über Gott? Wo beginnt die Verhetzung?

Deix: Ich kenne die Jesus-Verliebtheit der Kirche. Ich würde ihn nicht nackt zeichnen, aber als Frauenheld will ich ihn zeichnen dürfen.

ZEIT: Und wenn der niederländische Filmemacher Theo Van Gogh Muslime »Ziegenficker« nennt?

Deix: Dann darf er sich nicht wundern, wenn er auf der Straße eine in die Fresse kriegt. Aber erschießen muss man sich deshalb nicht lassen!

ZEIT: Müssen sich Karikaturisten an das Bilderverbot des Islam halten?

Deix: Nein, denn das Bilderverbot ist Ausfluss eines lächerlichen Respekts vor Autoritäten. Mir war ja Mohammed immer egal. Aber er kriegt langsam die Übermacht über mich. Er entscheidet, was ich zeichnen darf. Hallo! Aufwachen! Islamisten wollen nun den Krieg gegen Dänemark! Und die Botschafter arabischer Staaten fordern die harte Bestrafung von Zeichnern! Ein dänischer Karikaturist lebt nun im Untergrund, er hat die Haare gefärbt, und seine Mutter weiß nicht mehr, wie er heißt.

ZEIT: Wieso ist Spott über Religionen für Sie so wichtig?

Deix: Lachen ist eine Naturgewalt, die allen hilft. Lachen ist gesund! Wer es mir verbietet, ist mein Todfeind. Doch die Islamisten sagen: »He, Deix, ich muss dir den Bleistift zerbrechen!« Ich sage: »Nein, Burli, das darfst du nicht. Lass mich in Ruhe!« Wenn ich heute zeichnen würde, was ich will, würde ich mit einem Kopfschuss verbluten. Es ist ärgerlich, das zu bemerken.

Die Fragen stellte Florian Klenk

 
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