Auf den ersten Blick scheint es nicht dramatisch, dass der amerikanische Präsident in diesem Jahr gut 420 Milliarden Dollar Schulden aufnehmen will. Der Riesenbetrag entspricht bloß 3,2 Prozent der Wirtschaftsleistung in den USA und liegt damit kaum über der Maastricht-Grenze.

Doch der Vergleich hinkt. Erstens verantwortet George W. Bush nur den Bundeshaushalt und liegt mithin weit über Kollegin Merkels diesjähriger Rekordverschuldung in Berlin. Zweitens glauben ihm nicht einmal republikanische Parteifreunde, dass es beim angepeilten Betrag bleibt. Der Präsident verbindet nämlich gute Ideen (mehr Dollar für alternative Energien, Forschung und Mathematikunterricht) mit teils selbst erzeugten und teils unverschuldeten Ausgabenzwängen (Irak-Krieg und Wirbelsturm Katrina) und dem Willen, seine jährlichen Steuergeschenke an die eigene Klientel zu verewigen.

Was immer sonst über ihn einmal geschrieben werden wird: Bush ist der Präsident mit den Spendierhosen. Er will alles, was sein konservatives Herz begehrt, und mag dafür kaum anderes als Sozialleistungen kürzen. Mal abgesehen davon, dass dieser Plan im Jahr der Kongresswahlen misslingen muss: Die Wohlfahrtszahlungen lassen sich gar nicht viel weiter kürzen, ohne dem Land vorher ein neues Gesundheitssystem und eine Rentenreform zu verpassen. Da aber ist Bush, dieser »mitfühlende Konservative«, wie er sich nennen ließ, kläglich gescheitert.

Die Rechnung werden nicht allein die amerikanischen Bürger begleichen. Für die nächste Wirtschaftskrise hat Amerika kaum noch Gegenmittel. Entweder leidet die Welt dann an einer schweren US-Rezession oder an US-Schulden, deren Wert rapide verfällt – oder an beidem.