Pflanzenethik Die geschundene KreaturSeite 3/3
ZEIT: Schildern Sie uns noch einen weiteren Fall für Verletzung der Pflanzenwürde?
Koechlin: Nach meiner Meinung sollten Pflanzen nicht in gleicher Weise wie Chemikalien patentiert werden dürfen. Die Patentierung ist ein Ausdruck dafür, wie Lebewesen verdinglicht werden.
ZEIT: Sieht das die ganze Kommission so?
Koechlin: Wir diskutieren noch. Doch bei diesem Punkt werde ich wohl in der Minderheit bleiben. In der Kommission sitzen Naturwissenschaftler verschiedener »Schulen«.
ZEIT: Sprechen Sie mit Ihren Balkonpflanzen?
Koechlin: Manchmal schon. Aber dass man mit ihnen reden, ihnen zuhören kann, sagen bisher nur Schamanen – die ja oft ein ungeheures Wissen über Pflanzen haben. In unserem Wissenschaftssystem dagegen habe ich bisher keinen Beleg dafür gefunden, dass ihnen Ansprache gut tut.
Die Fragen stellte Christiane Grefe
Florianne Koechlin ist Biologin, Gentechnikkritikerin und Mitglied der Eidgenössischen Ethikkommission für Biotechnologie im außerhumanen Bereich. Soeben erschien ihr Buch »Zellgeflüster – Streifzüge durch wissenschaftliches Neuland«
- Datum 09.02.2006 - 13:00 Uhr
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- Quelle DIE ZEIT 09.02.2006 Nr.7
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Ich möchte mich bedanken, das Sie die Würde der Pflanzen, überhaupt thematisieren.
Kurzform:
Würde kommt das nicht von werden?
Wo bleiben wir, wenn man uns abspricht, etwas zu werden.
Das zumindest die Würde des Menschen als unantastbar in unsere Verfassung eingegangen ist, ist doch ein starkes Stück. Wo doch schon einem anderen, der nicht unsere Meinung teilt gern schon mal die Würde abgesprochen wird. Und dann Tiere und auch noch Pflanzen sollen eine Würde haben die Frau Koechlin, spinnt die denn total? Schließlich essen wir Menschen zumindest die Pflanzen, meist auch die Tiere und neuerdings einzelne auch schon andere Menschen (hier bei uns!), wenn die jüngsten Nachrichten zutreffen.
Haben Pflanzen auch ein Wesen, wie Frau Koechlin vermutet?
Ich habe mehr als 2 Jahre an einem Forschungsprojekt Kommunikation Pflanze Mensch mitgearbeitet und bin als Ingenieur sehr überrascht worden in wie vielen Versuchen (messtechnisch) es sich fast schon aufdrängte das die Pflanzen autonome Wesen, vielleicht sogar kleine Persönlichkeiten sein könnten. Darauf kamen auf dem abschließenden Symposium auch Vertreter aus anderen Disziplinen und sogar Kirchenvertreter. Nur: Wie gehen wir damit um, schließlich essen wir die Pflanzen und behandeln sie oft sehr verächtlich. Zack da war sofort wieder alles klar. Die können natürlich keine Würde haben, was wären denn dann wir?
Mir dämmert: Wenn wir den anderen keine Würde zusprechen, sind wir ohne es zu wollen schon dabei die eigene Würde zu verlieren. Als wäre es ein Naturgesetz.
Dafür gibt es viele Beispiele: Auch unseren Mitbürgern Jüdischer Abstammung hatte man in unserem Land vor wenigen Jahrzehnten zuerst die Würde abgesprochen um sie dann sie Sachen behandeln zu können. Wird nicht auch das Quälen oder Töten von Tieren in unserem BGB in erster Line als Sachbeschädigung behandelt? Was ist mit Abu Graib, Guantanamo, Genmanipulation, Karikaturen Streit usw.? Sind wir nicht in Gefahr, von anderen Fanatikern in Zukunft genau so behandelt zu werden?
Methode eigentlich ganz praktisch: Zuerst dem anderen die Würde absprechen, bis wir es zu einer Sache (Objekt) gemacht haben, mit der wir dann tun und lassen können was wir wollen, ohne Rücksichten. Toll es funktioniert, weil wir uns damit selbst solange blind machen können, bis es uns nichts mehr ausmacht.
Gibt es einen Nachteil dabei? Eigentlich nicht, nur wo bleibt die ehrliche Lebensfreude, die Selbstachtung? Naja, man kann halt nicht alles haben. Und, wenn die anderen uns auch so behandeln, was dann?
Ich bin mir hier beim Schreiben selbst auf die Schliche gekommen und möchte wieder glücklich werden. Vielen Dank.
Mancher hat als Christ gelernt: Was Ihr dem geringsten meiner Kinder antuet, das tut Ihr Mir an. Andere Religionen oder Kulturen kennen entsprechendes. Es ist eigentlich tragisch. Ohne die Achtung vor der Schöpfung (aller Lebensformen) machen wir uns Stück für Stück selbst blind, trennen uns von unserem Inneren und verlieren die Fähigkeit wirklich glücklich zu sein.
Rückblende:
Wer erinnert sich noch?
Als Kind fühlt man es vielleicht noch, das die Natur und alles darin irgendwie lebt. In Märchen und Myten konnten auch die Pflanzen und Steine als Wesen manch Kinderherz berühren. Vor dem Einschlafen fühlte sich dann das kleine Herz geborgen und mit allem verbunden in Mutter Natur und konnte ruhig einschlafen. Wenn es dann am Morgen erwachte, schaute es mit freiem klaren Blick und war blitzlebendig, das es auch die Erwachsenen mit seiner Lebendigkeit und Klarheit glücklich machen konnte. Wer kann sich noch an solch glückliche Zeiten erinnern?
Vielleicht halten Sie mich für einen Träumer. Auch mir ist diese Fähigkeit durch das materialistische Leben sehr abhanden gekommen, und das Glücklichsein auch etwas.
Ich erkenne heute, das ich auch mein Glück erst wieder finde, wenn ich dem anderen Leben zuerst mit Achtung begegne. Dazu gehören neben den Mitmenschen aller Völker und Rassen auch die Tiere, Pflanzen und sogar die Steine. Ich hoffe, das ich Schritt für Schritt wieder den Zugang dazu finde.
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