Lebenszeichen
Themenabend
Harald Martenstein weiß, worüber Frauen in Cafés so reden
Dieser Text hat das Thema: Die heiße Phase vor der Fußballweltmeisterschaft. Vor einiger Zeit wurde ich von einem großen Wochenmagazin – es handelte sich weder um den stern noch um Focus – darum gebeten, einen größeren Aufsatz zum Thema »Frauenliteratur« zu schreiben. Unter »Frauenliteratur« versteht die Fachwelt solche Literatur, die von Frauen, meist jüngeren, speziell für die anderen Frauen verfasst wird. Wenn eine Frau ein Buch schreibt, das grundsätzlich für Lesepersonen beider Geschlechter geeignet sein soll, handelt es sich nicht um »Frauenliteratur«, sondern um »Literatur«.
Zu Beginn eines größeren Aufsatzes klärt man nämlich immer die Begriffe.
Die Postbotin brachte eine Kiste voller Bücher. Ich habe sie alle gelesen. In den Büchern ging es nahezu ausnahmslos um Männer. Ich hatte gedacht, in der Frauenliteratur ginge es um Frauen, dies war ein Irrtum gewesen. Die Bücher handelten davon, wie man einen neuen Mann findet oder bekommt oder den alten Mann behält, wie die Männer im Allgemeinen sind oder wie ein ganz spezieller Mann ist, wie schlecht oder wie super die Männer sind, was Männer mit Frauen in verschiedenen Situationen machen oder nicht machen oder machen sollen oder nicht machen sollen und wer mit wem.
Dies hat mein Frauenbild beeinflusst, beziehungsweise ich habe angefangen, die Frauen zu beobachten und zu belauschen. Wenn in einem Café zwei Frauen saßen, habe ich mich an den Nebentisch gesetzt. Sie haben über die Männer gesprochen. Ich habe Frauen gefragt, worüber sie mit ihren Freundinnen reden, sie antworteten: »Über das Leben und so.« Dann habe ich nachgefragt und herausgefunden, dass die meisten unter dem Thema »das Leben und so« ungefähr das Gleiche verstehen wie »die Männer«, es ist offenbar eine Art Synonym.
Männer reden über so viele Dinge. Geld. Literatur. Politik. Bundesliga. Der Rücken. Jagen. Kochrezepte. Beruf! Hanteltraining!! Auto!!! Das Männergespräch bildet eine unendliche Weite, einen Kosmos. Jeder Mann birgt in sich ein Universum. Frauen bergen in sich Frauenliteratur. Ich bin ins Café Einstein gegangen und habe Frauen beieinander sitzen gesehen und dachte: »Sie reden jetzt gewiss über Männer. Ich aber kann die von mir mitgebrachte illustrierte Lebensgeschichte des Nikolaus Kopernikus aufschlagen und ein wenig darin lesen, womöglich das eine oder andere Bild betrachten, dies ist eine große Gnade.«
Ich bin grundsätzlich sehr sensibel und versuche grundsätzlich, Frauen zu verstehen. Ich dachte, vielleicht hängt die soeben geschilderte Fixierung mit der jahrtausendelangen Unterdrückung durch den Mann zusammen. Aus familiären Gründen bin ich gelegentlich in Afrika. Dort aber habe ich wissenschaftlich festgestellt, dass schwarze Menschen, trotz langer Unterdrückung, keineswegs ununterbrochen über weiße Menschen sprechen. Die schwarzen Männer reden über alles Mögliche. Die schwarzen Frauen reden über Männer.
Während der Fußballweltmeisterschaft wird, speziell von den Männern, unaufhörlich über Fußball geredet werden.
Zum Thema Fußball habe ich eine These. Sie lautet: Der Fußball der Frau ist der Mann.
- Datum
- Quelle DIE ZEIT 09.02.2006 Nr.7
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Verdient es schlechte Literatur, Literatur gennant zu werden? Ich denke nein. Vielleicht sollte jedoch jeder fuer sich entscheiden. Ist die blosse Existenz schlechter Literatur ein Beweis dafuer, dass die Menschheit flach und einseitig ist? Ich glaube an Menschen, ich denke nein. Herr Martenstein scheint fuer sich anders entschieden zu haben. Menschen denken und sprechen ueber alles was sie bewegt. Frauen und Maenner sind meiner Ansicht nach Menschen. Wenn sie sich mit dieser Meinung einverstanden erklaeren koennen, dann schreiben sie bewusst provozierenden Schwachsinn Herr Martenstein. Ich verstehe nur nicht warum Sie es ausgerechnet in der Zeit tun?
Was der Nordpol für die Kompassnadel, ist der Mann für die Frau. Er kann sich permanent um sich selbst drehen und sie richtet sich nach ihm aus - egal, wo auf dieser Welt sie sich befindet. Das hat wohl was mit Führung und Führbarkeit zu tun. Als ich mal ein Einstellungsgespräch (heute nennt man das Assessment) mit einem Psychologen führen musste, nannte der mich "unausgerichtet". Ich sei kreativ und konventionell zugleich, akzeptierte Normen und Gründe für eine Revolution zugleich, sei schwer führbar. Ich solle mir doch mal ein Stück von einer Frau abschneiden: Die wollten im allertiefsten Inneren geführt werden. Ohne Ausnahme. Na ja - als ich nach Hause kam, konnte ich mich nicht entscheiden, welches Stück ich nun abschneiden sollte, ohne meiner Freundin weh zu tun. Da lass ich sie lieber in Ruhe, drehe mich weiter um mich selbst und bin unführbar glücklich. Und meine Freundin hat mit ihrer Freundin wieder was zu reden: Wie kommen Männer bloß auf solche Gedanken...
kann mich ja mal aufklaeren.Denn ich als Frau habe selber keine Ahnung worueber wir uns im Cafe unterhalten.Bis her dachte ich immer dass wir uns ueber das Leben in general und die Menschen um uns herum gesprochen haben-aber was weiss ich als Frau schon von so was....
ich war sehr erstaunt...schockiert. klar, geschlechtsspezifika sind oft zündstoff, aber dennoch bin ich absolut im unklaren, ob der autor nun ernst meint, was er schreibt, oder doch nur etwas sticheln will. feldstudie, hört sich ja schon etwas fundiert an.
also was macht der findige internetmensch (ha da war es wieder, das eigenlob) er untersucht die frage im bekanntenkreis und siehe da:
[00:30] radio.silence[ich, male]: unterhalten sich zwei frauen im café über männer?
[00:30] Sun*******[female, name wegzensiert :)]: ja natürlich.. sie unterhalten sich immer über männer..naja fast immer.. wieso?
DAS gibt mir zu denken.
aber um mal den spieß umzudrehen: warum unterhalten sich männer nicht häufiger über frauen? können sie es nicht?
*ein verwirrter männlicher vertreter unserer art*
kann ihnen nicht ganz zustimmen, herr martenstein und schicke ihnen deshalb die beschreibung eines frauengespraeches von vier flugbegleiterinnen (eine davon bin natuerlich ich) waehrend eines parisfluges in der letzten woche, aus dem hervorgeht, dass wir durchaus andere themen haben:
http://allegra1966.twoday...
nichtsdestotrotz kommt das thema maenner immer wieder vor....zum glueck...zu ihrem glueck...wie schrecklich waere es doch, wenn maenner nicht mehr wichtig waeren fuer frauen...wuerde ihnen das gefallen?
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