Charlize TheronIch habe einen Traum

Charlize Theron, 30, wuchs als Kind einer Deutschen und eines Franzosen in Südafrika auf. Mit 16 Jahren wurde sie als Model entdeckt. Woody Allens "Celebrity" und Lasse Hallströms "Gottes Werk und Teufels Beitrag" waren Stationen ihrer Schauspielkarriere. 2003 erhielt sie den Oscar für ihre Hauptrolle in "Monster". Derzeit ist sie zu sehen in "Kaltes Land", der Geschichte einer Minenarbeiterin, die sich gegen sexuelle Übergriffe zur Wehr setzt. In der nächsten Woche startet ihr Film "Aeon Flux" von Ralph Geisenhanslüke

Mit sechs Jahren verliebte ich mich ins Ballett. Meine Mutter fuhr mit mir in die Stadt, und wir gingen in den Nussknacker. Es war das erste Mal, dass ich so etwas sah. Es war unglaublich. Die Tänzer schienen durch die Luft zu schwimmen. Danach war Tanzen alles für mich. Es gab natürlich auch Phasen, in denen ich Ärztin oder Anwältin werden wollte. Aber eigentlich wollte ich immer eine Ballerina sein. Ich träumte davon, um die Welt zu reisen und in prachtvollen Opernhäusern aufzutreten.

Als ich 19 war, machten meine Knie nicht mehr mit. Um damit fertig zu werden, versuchte ich herauszufinden, was ich am Ballett eigentlich so geliebt hatte. Mir wurde klar, dass es mir gar nicht so sehr um die pliés oder jetés ging. Es ging ums Geschichtenerzählen; und es ging darum, Make-up aufzulegen, auf eine Bühne zu gehen, in eine andere Welt zu verschwinden. Aber es dauerte noch eine Weile, ehe es ernst wurde mit der Schauspielerei.

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Ich bin in Benoni geboren, in der Nähe von Johannesburg. Wenn man da ganz unten lebt, in diesem kleinen Zipfel auf der Südhalbkugel, hat man beim Blick auf eine Landkarte immer das Gefühl: Es gibt diese ganze riesige Welt da oben. Und man selbst lebt an diesem kleinen Punkt da unten. Ich wollte reisen und sehen, was da oben los war.

Das habe ich von meiner Mutter: das Leben als konstante Suche zu begreifen. Den Durst nach Wissen. Meine Mutter hat ein enormes Interesse an der Welt. Sie ist ein Mensch mit vielen Fähigkeiten, die ich nicht unbedingt habe. Und ich bewundere sie dafür. Allein erziehende Mutter zu sein ist schon eine schwere Aufgabe. Sie leitete außerdem eine Straßenbaufirma. Wenn es sein musste, setzte sie sich auch den Bauarbeiterhelm auf. Ich erinnere mich an viele Nächte, wo ich um drei Uhr morgens in eine Decke gewickelt und auf den Rücksitz des Autos gelegt wurde, weil sie zu einer Baustelle musste, um an einer Maschine Zündkerzen oder Keilriemen zu wechseln. Sie konnte das, weil sie es musste. Genauso wie die geschäftliche Seite – zu einer Zeit, als das noch viel mehr als heute als Männerjob betrachtet wurde. So wuchs ich mit der Vorstellung auf, dass solche Grenzen nicht existieren.

Meine Mutter wohnt heute noch immer in meiner Nähe, zwei Minuten entfernt. Sie reist viel um die Welt und tut jetzt all die Dinge, die sie nicht tun konnte, als sie den Betrieb zusammenhalten, das Essen auf den Tisch stellen und mich aufziehen musste. Sie ist meine beste Freundin. Ich empfinde es als großes Glück, mit einem so inspirierenden Menschen aufgewachsen zu sein. Sie ist meine Heldin.

Wenn einem Menschen ein Unglück widerfährt, ist es normal, dass Außenstehende an dem Thema hängen bleiben. Vor 15 Jahren hat meine Mutter in Notwehr meinen alkoholkranken Vater erschossen. Er hatte gedroht, uns umzubringen. Ich habe darüber gesprochen, bis es wirklich nichts mehr zu sagen gab. Ich dachte, dann würde sich die Welt irgendwann weiterdrehen. Aber so war es nicht. Heute sind alle Einzelheiten bekannt, und noch immer reden die Leute darüber, als wäre es gestern geschehen.

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    • Models present creations from the Felder & Felder Autumn/Winter 2013 collection during London Fashion Week, February 15, 2013. REUTERS/Olivia Harris (BRITAIN - Tags: FASHION)

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