Handel Ein Exportweltmeister kennt keinen SchmerzSeite 2/2

Die Wirklichkeit sieht oft anders aus. Nur spricht das niemand gerne aus, auch in Köln nicht. »Die Geschäfte laufen gut. Wir sind schon seit 1974 dort. Auch während des irakisch-iranischen Kriegs und des Embargos. Kurz nicht, als die Amerikaner kamen.« Matthias Weber vertritt MG International Transport. Die Siegener Spedition bringt Waren aus der ganzen Welt in den Nahen Osten. In Amman residiert der deutsche Regionalbeauftragte, Büros gibt es überall in der Region, auch in Bagdad und Basra.

Und er selbst? Weber lächelt. Wenn man Schiffsladungen organisiert, muss man selbst dabei sein, sagt er. Wie weit gehen Sie? Bis zur Grenze, da ist viel zu regeln. Was ist mit Bagdad? Bis zum Flughafen, vielleicht. Schnell rein, schnell raus. Was tun Sie zu ihrer Sicherheit? Nicht auffallen. Wie geht das? Lächeln. Werden Sie geschützt? Noch ein Lächeln. Und ihre irakischen Mitarbeiter? Keine Adressen, keine Namen. »Es ist ein Vabanquespiel. Wenn irgendjemand merkt, dass ein Araber für eine ausländische Firma arbeitet, ist der gefährdet.« Kennt er andere deutsche Geschäftsleute, die dort aktiv sind? Man begegnet schon vielen. Was er davon hält? Ein letztes Lächeln.

Mitarbeit: Klaus-Peter Schmid

 
Leser-Kommentare
  1. Entfuehrungen haben eine uralte Tradition im Nahen und Mittleren Osten. Man sitzt den ganzen Tag im Kaffeehaus, plaudert und raucht die Wasserpfeife. Ab und zu braucht man mal Geld, also kidnapt man schnell die Tochter des reichen Kaufmanns an der Ecke. Der zahlt, die Tochter kommt wieder, einfache Sache, man kehrt ins Kaffeehaus zurueck.

    Was die Presse nicht berichtet, ist die Tatsache, dass jeden Monat Tausende solcher kleinen Entfuehrungen
    braver irakischer Buerger passieren. Erwischen sie aber aus Versehen mal einen Auslaender, ist grosses Theater. Als man vor Jahren mal einen Bankraeuber fragte, warum er gerade dort eingebrochen sei, antwortete er: "Weil da das Geld ist." Simple Wahrheit!

    Kommt also ein wohlgekleideter Businessman aus dem Ausland in eine derartige Atmosphaere, so bildet er eine ideale Zielscheibe, das ist doch klar. Deswegen braucht man nicht gleich allen Handel aufzugeben. Man muss nur Bescheid wissen, und sich entsprechend schuetzen.

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