Was, wenn es Mahmud Ahmadineschad ernst ist? Wenn Irans Staatspräsident Israel wirklich "von der Landkarte tilgen" möchte? Wenn er tatsächlich jene Waffe bauen lässt, mit der er seine Drohungen wahr machen könnte? Wenn er nicht einlenkt? Was machen wir dann?

Fragen, die dieses Land, ohne dessen völkermörderische Vergangenheit es den modernen Staat Israel nicht gäbe, umtreiben müssen. Die Bundeskanzlerin jedenfalls treiben sie um. Manche Sozialdemokraten werfen ihr das öffentliche Nachdenken darüber vor. Und irren gewaltig.

Erst am vergangenen Samstag, dem 27. Jahrestag der islamischen Revolution, höhnte Ahmadineschad auf Teherans Platz der Freiheit erneut über das "Märchen vom Holocaust" und drohte: "Wenn die Zionisten nicht zur Vernunft kommen, dann wird Israel untergehen."

Großmäulige Rhetorik eines Exrevoluzzers, der es dank der Mostazafin, der verarmten Fußtruppen der Chomeini-Revolution, ins höchste Amt brachte? Irans Bürgertum zeigt sich peinlich berührt über die Tiraden des Präsidenten. Der aber baut seine Macht aus. Ahmadineschad entstammt einer Generation, die von der Revolution und vom achtjährigen Krieg gegen den Irak politisch geprägt worden ist. Die Korruption des Mullah-Establishments und des Basars um den früheren Präsidenten Rafsandschani stößt sie ab.

Johannes Reissner, Iran-Spezialist der Stiftung Wissenschaft und Politik in Berlin, beschreibt die Generation der heute in Teheran Regierenden so: "Sie haben das Gefühl, im Krieg den Kopf für die Sache der Revolution hingehalten zu haben. Dann kamen die Rafsandschanis, die haben sich reich gemacht." Nur eine Minderheit der Iraner folgt Ahmadineschads politischer Radikalität, seiner religiösen Inbrunst. Womit er die Bevölkerung hinter sich und seine politischen Widersacher zum Schweigen bringen kann, ist der Appell an den iranischen Nationalstolz. Deshalb hämmert er seinen Landsleuten ein: Wir haben ein Recht auf die friedliche Nutzung der Kernenergie. Deshalb zieht er in den Kampf gegen die "Weltarroganz": Amerika, Israel und das "von den Zionisten erpresste" Europa. Es ist ihm bitterernst.

Da hat ein Politiker die Bühne betreten, der auch die deutsche Außenpolitik vor ganz neue Herausforderungen stellt. Sicherheitspolitisch, weil die Bedrohung, die von Iran ausgeht, anders als im Irak, real ist; denn auch Saudi-Arabien, Ägypten, vielleicht die Türkei dürften nuklear aufrüsten, hätte Iran erst einmal die Bombe. Historisch und moralisch, weil nach Amerika mehr als jede andere Nation Deutschland dem Schutz Israels verpflichtet ist. Wer dem Staat der Juden mit seiner Vernichtung droht, macht sich das demokratische Deutschland zum Feind.