Karlsruhe hat gesprochen, doch der Streit um die Frage, ob die Bundeswehr bei der Fußballweltmeisterschaft Hilfssheriff spielen darf, ist damit nicht entschieden. Im Gegenteil, jetzt wird er erst richtig beginnen. Merkel, Müntefering, Platzeck, Schäuble & Co dürfen schon einmal in Stellung gehen: Neben der Außenpolitik droht nun auch die innere Sicherheit zum Kampffeld der Großen Koalition zu werden.

Auf den ersten Blick hat das Bundesverfassungsgericht im Streit um das Luftsicherheitsgesetz soeben zweimal donnernd nein gesagt: nein zum Einsatz von Soldaten im Innern, wenn sie dabei "mit spezifisch militärischen Waffen" hantieren. Und nein zum Abschuss eines von Terroristen entführten Flugzeugs, in dem unbeteiligte Menschen sitzen. Selbst wenn damit andere unschuldige Menschen gerettet werden könnten: Leben darf niemals gegen Leben verrechnet werden, sagt Karlsruhe.

Auf den zweiten Blick steckt allerdings in jedem Nein ein kleines Ja. Die Soldaten dürfen zwar nicht mit Panzern und Raketenwerfern vor die Münchner Allianz-Arena rollen. Aber wenn sie weniger martialisch, mehr wie normale Polizisten daherkommen, hätte wohl auch das Verfassungsgericht keine ganz grundsätzlichen Einwände.

Der Streit, ob Soldaten künftig vor Stadien und Botschaften aufmarschieren sollen, zieht also wieder dorthin, wo er hingehört: in die Gesellschaft, ins Parlament. Hoffentlich begreift Innenminister Wolfgang Schäuble dann auch endlich, dass weder Polizei noch Bundeswehr die von ihm so begehrten Sheriffdienste wünschen und es bei der Trennung bleiben sollte. Die Härte, mit der er sein Ziel verfolgt, lässt jedenfalls bislang nichts Gutes erahnen.

Auch im zweiten Karlsruher Nein verbirgt sich ein Ja: Selbstverständlich dürfte die Bundeswehr – und nur sie kann dies auch – zum Schutz unschuldiger Menschen ein Flugzeug vom Himmel holen, wenn in ihm ausschließlich gefährliche Leute sitzen. Alles andere wäre auch absurd. Schließlich haben Polizeibeamte bei einem Banküberfall das Recht, im äußersten Fall einen Geiselnehmer zu töten; in den Landesgesetzen heißt das "finaler Rettungsschuss". Die Verfassungsrichter haben die Tür zu einem Abschuss-Gesetz einen Spalt weit geöffnet.