Bad Königshofen

Immer ein Stück weiter, lautet das Motto der mittelständischen Maschinenbaufirma Köberlein & Seigert aus dem bayerischen Bad Königshofen.

Böse wär's, dabei an Heuschrecken zu denken. Gleichwohl kann man sich im Landratsamt des Kreises Rhön-Grabfeld des Eindrucks nicht erwehren, erst gründlich abgegrast und nun zurückgelassen zu werden. Firmenchef Peter Seigert will weg aus Bayern, auf nach Thüringen.

Man habe Herrn Seigert sehr gute Konditionen geboten, damit er bleibe, empört sich Landrat Thomas Habermann (CSU), eine zügigere Bearbeitung von Anträgen, attraktive Grundstücke - alles vergebens. Es geht ihm wohl doch nur um die Fördergelder, sagt der schwer enttäuschte Landrat. Denn das thüringische Queienfeld, wo Seigert seinen Fabrikneubau plant, trennen von Bad Königshofen zwar nur 18 Kilometer, aber eben auch 18 Prozentpunkte zusätzlich bei der Investitionsbeihilfe.

Diese werden nicht zuletzt finanziert aus dem Solidarbeitrag. Der Firmenumzug trägt somit seinen Teil bei zum Ost-West-Konflikt. Mehrere Millionen habe man in den vergangenen Jahren gezahlt, schimpft der bayerische Landrat, und nun gehe Seigert zum Dank dorthin, wo die Leute sozialistisch-kommunistisch wählen. Das ist zwar eine nicht ganz zutreffende Beschreibung der Lage in Thüringen, wo die CDU mit absoluter Mehrheit regiert. Das bayerische Wirtschaftsministerium springt dem Lokalpolitiker gleichwohl zur Seite.

Bayern stellt sich selbstbewusst einem fairen Standortwettbewerb. Dieser Wettbewerb darf durch zu einseitige Förderbedingungen jedoch nicht verzerrt werden. Im Thüringer Wirtschaftsministerium wiederum verweist man darauf, diese Förderrichtlinien seien schließlich per Gesetz als Nachteilsausgleich für bestehende Strukturen gewünscht.

Firmenchef Seigert schweigt zu der ganzen Angelegenheit, und Branchenkenner warnen, er könne bei zu viel Protest sein Firmenmotto (Immer ein Stück weiter) gleich zum gesamtdeutschen Nachteil wahr machen. Dann geht er eben nach Osteuropa!