Die Biobauern sind peinlich berührt: durch ein Werbeplakat für den ökologischen Landbau. Ein enges weißes Hemd überspannt die beachtliche Oberweite einer smarten Blondine, und darauf steht: Alles bio, alles echt.

Wären wir gefragt worden, hätten wir dieser Kampagne nicht zugestimmt, sagt Thomas Dosch, Bundesvorstand des Erzeugerverbands Bioland.

Mit Plakaten wie diesem, aber auch mit Fernsehspots und Zeitungsanzeigen wirbt die Centrale Marketing-Gesellschaft der deutschen Agrarwirtschaft, kurz CMA, für nahezu alle landwirtschaftlichen Erzeugnisse aus heimischer Produktion. Dafür hat sie jedes Jahr etwa 100 Millionen Euro zur Verfügung - Zwangsbeiträge von rund 370 000 Agrarbetrieben. Nicht nur Biobauern sind verstimmt. Schließlich will die CMA den deutschen Verbrauchern so unterschiedliche Erzeugnisse wie Eier aus der Legebatterie und Luxuslebensmittel der Spitzengastronomie gleichermaßen schmackhaft machen.

Die Konsequenzen sind eine Politik des kleinsten gemeinsamen Nenners, Botschaften wie Deutsche Pute, die Gute und reichlich Eigenlob: Deutschland hat GesCMAck.

Die Grenze des guten Geschmacks haben die Marketing-Strategen in der Vergangenheit schon mehrfach erreicht. Etwa mit anzüglichen Sprüchen wie Kleine Schweinerei gefällig?, bei dem sich eine Landfrau einen Schaschlikspieß an den Mund hält. Auch bei den Einmach-Partys, zu denen die CMA aufruft, geht es Spöttern zufolge eher um Anmache. Von den umstrittenen Auftritten distanzieren sich nun sogar Bauernverbände. Das geht an den Anliegen und Problemen der Landwirte vorbei, sagt Sepp Bichler, der bayerische Landesvorsitzende der Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft. Die Produktinformation in diesen Anzeigen ist gleich null.

CMA-Geschäftsführer Jörn Dwehus ficht das nicht an: Unsere Kampagnen setzen darauf, zu polarisieren.

Trotzdem muss sich auch die CMA an Zahlen messen lassen. Zweideutige Sprüche wie Und ewig lockt das Fleisch haben den seit langem stagnierenden Absatz nicht gerade verbessert. Auf lange Sicht von 40 Jahren hat sich der Pro-Kopf-Verbrauch von Schweinefleisch von jährlich 2,8 Kilo auf zuletzt 1,3 Kilo sogar mehr als halbiert. Auch bei Obst ist die Strategie der Zwangsvermarkter umstritten. Die CMA bewirbt mit hohem Aufwand Äpfel, die ohnehin zu den meistgekauften Obstsorten gehören, sagt Peter Jung, Vorstandsvorsitzender des Fruchthandelsunternehmens Atlanta in Bremen.