Wieder der Fuß, wieder der linke. Dieses Mal hat Jessica Schwarz, 28, ihn gebrochen. Beim Tanzen, sagt die Schauspielerin und stellt das bandagierte Bein auf ein Tischchen. Viel Fußaufmerksamkeit gebe es bei den Boulevardreportern derzeit. Schwarz kennt das. Schon beim Deutschen Filmpreis humpelte sie mit einer Bandage über den roten Teppich. Schuld ist das Turnen, erzählt Schwarz, die schon als kleines Mädchen trainierte und im Karnevalsverein auftrat: Das hat die Bänder locker werden lassen.

Das ehemalige Model, später Viva-Moderatorin und in diversen TV- und Kinofilmen zu sehen, arbeitet offenbar daran, sich Schritt für Schritt im Berliner Festival nach oben zu arbeiten. Zunächst wurde Schwarz als Begleiterin ihres Kollegen und Lebensgefährten Daniel Brühl wahrgenommen, dann moderierte sie den Nachwuchswettbewerb bei der Berlinale. 2005 lief dann der Film Kammerflimmern mit ihr in der Hauptrolle. Und jetzt Der Rote Kakadu von Dominik Graf, der vorzeitige Höhepunkt dieses Berlinale-Aufstiegs: ein Film in der Sektion Panorama, nur eine Liga unter der Spitzenklasse, dem Wettbewerb.

Jessica Schwarz durfte sich zwar mittlerweile ins Goldene Buch ihrer Heimatstadt eintragen. Im Supermarkt wird aber immer noch eher Brühl umlagert, während sie in Ruhe den Einkaufswagen füllen kann. Wenn dieses Mal in der Berlinale-Berichterstattung von Jessica Schwarz und ihrem Begleiter die Rede ist, liegt dann nicht ein wenig Genugtuung in der Luft? Sie wird bei der Frage ein wenig ernst. Konkurrenz sei die Inspiration, aber auch ein Problem ihrer Beziehung: Es ist ganz klar, dass Daniel diese Arbeit zehn Jahre länger macht als ich. Natürlich ist es manchmal ungerecht. Ich sage dann: Wie, du kriegst jetzt ein Drehbuch aus England? Nach einer Pause, scherzhaft nörgelnd: Ich will auch ein Drehbuch aus England.

Der Rote Kakadu spielt in Dresden, kurz vor dem Mauerbau. Jessica Schwarz ist die Schriftstellerin Luise, die mit ihrem Ehemann und einem Freund in der legendären Bar Roter Kakadu gegen die politischen Verhältnisse anfeiert.

Solange die Behörden das zulassen. Jessica Schwarz weiß von den Schwierigkeiten, als Westdeutsche ostdeutsche Geschichte darzustellen. Beim Dreh musste sie in einer Szene abbrechen, in der Luise trotz Zensur zunächst noch die DDR verteidigt: Ich dachte, ich habe das verstanden, aber ich habe nichts verstanden. Dann fing ich an zu heulen wie ein Kind. Sie habe weitere Gespräche gebraucht, musste mehr lesen, um weiterdrehen zu können.

Für Schwarz verläuft am Potsdamer Platz noch immer eine magische Grenze zwischen Ost und West. Der ideale Ort für ein Filmfestival, sagt sie - ein Filmort, an dem nicht alle wie in Cannes vom C'ted'Azur-Schick abgelenkt seien. Man kann dort auch humpelnden Fußes über den roten Teppich gehen und einen großen Auftritt haben.