Da die öffentliche Hand immer knausriger wird, müssen sich die Museen mehr und mehr einfallen lassen, um Geld für Neuankäufe aufzutreiben. Eine Auktion scheint da derzeit das angesagte Mittel zu sein, ein bisschen Nervenkitzel für den guten Zweck sozusagen. Im Frankfurter Museum für Moderne Kunst wird so am 16. Februar der Deutschlandchef von Christie's, Andreas Rumbler, gleich 30 Objekte unter den Hammer bringen. Was man dort und bei eBay online ersteigern kann, sind im besten Sinne Liebhaberobjekte und allesamt vor nicht allzu kurzer Zeit vom Museum selbst für die Ausstellung Spinnwebzeit, gesucht/gefunden bei eBay ersteigert worden.

Diese mehr als 200 Fundstücke aus dem Netz waren für die Zeit der Ausstellung lauter Objekten aus der Sammlung zugeordnet worden. Das intelligente Gespinst sollte die Frage einfangen, wie ein Museum die Sicht auf die Dinge verändert, und wird in eigener Sache wieder aufgelöst. Das war von Anfang an der Plan, sagt der Museumsdirektor Udo Kittelmann. Welchen Mehrwert der Museumsaufenthalt den Dingen bringt, wird man dann sehen. Zudem könne das Haus die Objekte gar nicht behalten, so Kittelmann, es ist ja unsere Aufgabe, zeitgenössische Kunst anzukaufen und keine angewandten oder kuriosen Objekte. Die Live-Auktion ist ein erster Schritt. In den kommenden Monaten kreiseln dann die restlichen Objekte wieder käuflich in das World Wide Web zurück.

Die in der Ausstellung einem Sternbild von Thomas Ruff zugeordneten drei Fotografien des nächtlichen Sternenhimmels sind auf 100 Euro geschätzt. Sie können wie die anderen Objekte ab sofort bei eBay (www.ebay.de/starsandcharity) besichtigt und beboten werden.

Zu den Objekten gehören auch 30 Schwarzweißabzüge von Zwillingen (900 Euro) und zwölf Original- und Erstausgaben der Schriftstellerin Gertrude Stein (1800 Euro), zwei Spazierstöcke mit erotischen Griffen in Sterlingsilber beziehungsweise Messing (500 Euro) und eine Remington-Schreibmaschine (50 Euro). Auf dem gleichen Modell hatte Walter Benjamin seinen berühmten Essay Das Kunstwerk im Zeitalter der technischen Reproduzierbarkeit getippt.

Die Idee der Auktion in eigener Sache ist nicht neu, und die großen Häuser wie Christie's, Sotheby's und Phillips spielen gerne mit. Ob für den Aufbau des Tel Aviv Art Museums oder als Hilfestellung der staatlichen Kunstsammlungen Dresden nach der großen Flut im Jahr 2002 schwingen die Chefs auch ohne Aufgeld und Honorar den Hammer. Am 17. Februar ist es der Geschäftsführer von Sotheby's Deutschland, Philipp Herzog von Württemberg, der für die Jungen Freunde der Galerie der Gegenwart der Hamburger Kunsthalle 20 Werke so aufstrebender wie bereits etablierter Künstler wie Björn Dahlem, Mona Hatoum, Shirin Neshat, Michael Sailstorfer und Monika Sosnowska versteigert.

Es ist bereits die zweite Auktion der rund 2000 so genannten Jungen Freunde der Kunsthalle. Mit dem Erlös der ersten Veranstaltung im Jahr 2003 wurde der Fonds der Jungen Freunde mit 50 000 Euro ausgestattet, der für Ankäufe junger Kunst gedacht ist. Auf der Website www.freunde-derkunsthalle.de sowie in der Galerie der Gegenwart kann man sich im Vorfeld der Auktion über die Werke, Schätzpreise und Teilnahmebedingungen informieren. Zu den teuersten Objekten gehört mit 5000 bis 7000 Euro das Gemälde Bergung von dem 1969 geborenen Jonas Bungert, der bereits in der Sammlung Saatchi vertreten ist und gemeinsam mit Künstlerkollegen die letzte Ausstellung im Palast der Republik, Fraktale, ausgerichtet hat.

Ein ebenfalls für die Versteigerung geschaffenes Gemälde von Daniel Richter ist auf 6000 bis 8000 Euro geschätzt, bei Franz Ackermanns Lithografie Goldener Baum könnte man schon bei 250 bis 450 Euro dabei sein. Die vielfach mit Kunstpreisen verwöhnte Monika Sosnowska hat einen Scherenschnitt in einer Fünferauflage mit Box gestiftet, die auf 600 bis 800 Euro taxiert ist.