Autotest Volles OhrSeite 2/2

Im Passat werden, wie in den meisten Autos, zuerst die Waden der Insassen beschallt, dazu gibt es ein paar kleine Hochtonlautsprecher auf Seitenspiegelhöhe. Daraus so etwas wie eine akustische Bühne erstehen zu lassen ist nicht leicht. Aber es gelingt. Bobby McFerrins Invocation zum Beispiel: Chick Coreas Flügel scheint rechts und links aus den Fenstern zu ragen. Omar Hakims Schlagzeug steht mit der Bass-Drum mitten im Motorblock, und McFerrins Stimme fliegt dem Horizont entgegen. Flesh And Blood von Solomon Burke, ein Soul-Manifest mit abgrundtiefem Bass und dicker Hammondorgel, klingt so erdenschwer, dass man kaum aus der Parklücke kommt. Man muss dafür nicht laut aufdrehen. Handgemachte Musik, Jazz, Klassik – das kann sich mühelos im Raum entfalten.

Einzig bei elektronischer Musik, die den Hörer in den unteren Oktaven durchmassiert, gibt es kleine Irritationen. Auch bei Radiosendern, die ihre Dauerpowerflitzerblitzer mit Dorfdisko-Bass rausblasen, empfiehlt sich der Griff zum Klangregler. Wortbeiträge, Hörspiele oder Streichquartette dagegen sind ein Genuss.

Aber nicht alles findet seinen Weg in die Ohren des Passat-Fahrers. Ein Anschluss für externe Quellen, etwa für einen iPod, fehlt. Der umständlich zu bedienende VW-CD-Wechsler akzeptiert nur gegen Aufpreis MP3-CDs. Trotzdem: Auf der Tonspur überholt dieser Passat locker manche Wohnzimmeranlage.

PS Nächste Woche am Start: Hanns-Bruno Kammertöns, ZEIT-Ressortleiter Dossier, im Hummer H2

 
Leser-Kommentare
    • bitmad
    • 21.02.2006 um 7:54 Uhr

    Ein Autotest ganz aus der Sicht des Hifi-Liebhabers - nicht schlecht.
    Aber wie paßt dazu der Wunsch nach einem Anschluß für iPod oder gar mach einer Abspielmöglichkeit für mp3-CDs? Damit begibt der Autor sich dann doch wieder auf das Niveau von Leuten, die komprimierte Musik aus Billigquellen hören.

  1. Ich bin seit einiger Zeit großer Freund der Rubrik „Autotest“, auch wenn die dort vorgestellten Modelle finanziell meist nicht in meiner Liga spielen. Außerdem bin ich Musikliebhaber und Musiker, weshalb ich diese Woche gerne über Musikanlagen anstatt über Autos gelesen habe. Eines erscheint mir am Ende allerdings äußerst widersprüchlich: Wie kann man im ganzen Artikel über Klangqualität und 60.000 Euro Anlagen reden und sich schließlich darüber beschweren, dass man „MP3s“ nur gegen Aufpreis abspielen kann? Gerade diese Tatsache halte ich für einen feinen Zug von Volkswagen bzw. Dynaudio…

  2. Gegen eine gute Anlage im Auto ist absolut nichts einzuwenden, da das Auto für viele der Platz ist, an welchem man ungestört Musik hören kann. Man muss sich nur die Frage stellen, ob auch Musikfeinheiten einer vielleicht sehr teueren Anlage, trotz der Fahrgeräusche und des Straßenlärms, zur Geltung kommen.

  3. Die Antwort: Ja, es passt zusammen! Daheim Burmester, im Auto Hitchituchi? Nein danke. Man hört im Auto fast mehr Radio als daheim. Habe mir das DYNAUDIO Sound Equipment ebenso bestellt, nur verraten Sie mir bitte, warum ich Thor dafür in D 2015,-- € bezahlen soll und in LT 1650,-- € bezahlen muss. Selbst VW-Sound ist teurer als 900,-- €.
    Mit freundlichem Gruß aus Vilnius
    Glenntomas

  4. HighEnd in der "normalen" Presse

    Kollege Vrzal erzählte mir heute am Telefon, dass vor ein oder zwei Wochen im "Leben"-Teil der Zeit, wo regelmäßig Autos vorgestellt werden, ein Passat mit einer Dynaudio-Anlage besprochen wurde. Er hat mir den Artikel freundlicherweise gemailt (weiß nicht, ob man ihn im Internet kriegt).

    Ich finde an dem Artikel von Ralph Geisenhanslüke ziemlich viel ziemlich klasse:

    1. Der Autor spricht mir aus der Seele.
    2. Der Artikel ist exzellent geschrieben.
    3. Der Artikel holt HighEnd aus der Spinner-Ecke.

    Jedenfalls ist das doch etwas ganz anderes als der verzerrte Spiegel-Online-Artikel über HighEnd von vor einem halben Jahr.

    Eintrag vom 4.3.2006 auf http://platte11.blogg.de

    Heinz Gelking

    • Kumbbl
    • 13.04.2006 um 10:41 Uhr

    Der Artikel spricht mir aus der Seele - ganz davon abgesehen, dass er gut geschrieben ist.
    Bin seit gut 3 Monaten stolzer Besitzer der Dynaudio-Anlage im Passat-Variant inkl. MP3-Wiedergabe (ja, anspruchsvoller Musikgenuß und MP3 passt zusammen - zu mindest im Auto und zumindest, wenn die MP3s in maximaler Qualität erzeugt wurden)
    Für den damit erhältlichen Sound gilt das gleiche wie für anspruchsvolles High-End-Equipment zu Hause: Schrottiger Klangmüll ist noch deutlicher als schrottiger Klangmüll zu erkennen aber wirklich gut produzierte CDs treiben dir mit dieser Anlage ein Grinsen bis über beide Ohren ins Gesicht und man bereut nicht einen der knapp 1000,- Aufpreis - ja, richtig gehört, denn der normaler Sound-Schrott von VW inkl. Wechsler kostet auch bereits 1100,-, so dass sich die 2050,- Listenpreis für die Gesamtanlage schon wieder deutlich relativieren!

    Resümee: Meines Erachtens die derzeit beste Werks-Soundanlage fürs Auto, verglichen mit Harman Kardon aus BMW und Mercedes und Bose aus Audi.

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  • Quelle DIE ZEIT 16.02.2006 Nr.8
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  • Schlagworte VW | Autotest | Musik | Aston Martin | Bugatti | ADAC | iPod | Auto
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