Jeder, der in die Politik geht, hat doch einen Traum. Vielleicht hatte auch der Abgeordnete Gert Winkelmeier mal einen. Als er siebzehn war, trat er in die Kommunistische Partei ein, im rheinischen Neuwied, das sich fachwerklich-beschaulich in die Windungen des großen deutschen Flusses schmiegt. Kommunist in Rheinland-Pfalz, wenn man das durchhält, muss man doch einen großen Traum haben oder einen großen Knall. Schwer zu sagen, was der Fall bei Winkelmeier ist. Seit der Konstituierung des 16. Deutschen Bundestages hat er nicht viel gesagt. Die anderen in der Linksfraktion äußern sich andauernd zu Ausbildungsabgabe, Dienstleistungsrichtlinie und Bleiberechtsregelung. Winkelmeier hüllte sich in Schweigen. Jetzt ist es zu spät.

Zum Verhängnis wurde ihm ein Haus in Neuwied, das ihm zur Hälfte gehört. Dort belästigten im vergangenen Sommer Beischlafgeräusche von Prostituierten und Freiern die Anwohner. Mit diesen Worten hatte ein Artikel in der Rhein-Zeitung begonnen und das politische Ende des Abgeordneten. In Rheinland-Pfalz ist Wahlkampf. Also machten sich Leute, die bei Rosa Luxemburg an Devisenkonten und bei Solidarität ist die Zärtlichkeit der Völker an schmutzige Witze denken, über Winkelmeier her. Die Sache wurde dadurch nicht einfacher, dass er selbst offenbar solche Konten da hatte, in Luxemburg nämlich, und Probleme mit dem Finanzamt. Die Huren im Haus, die Steuerfahnder auf der Spur - vier Wochen lang hielt Winkelmeier durch. Dann ging er unter. Er hat seiner Fraktion den Rücken gekehrt. Die Partei will ein Ausschlussverfahren gegen ihn anstrengen.

Gerechtigkeit, Solidarität - was auch immer auf Winkelmeiers Fahne gestanden haben mag, erinnern wird man sich seiner so, wie die zuständige Etikettierungsstelle medialer Meinungsmacht es befunden hat: Der Kommunist Winkelmeier steht künftig mit dem Pop-Titanen, der Busen-Witwe und dem Boxen-Luder in der Reihe der Größen und Kleinen des Bild-Business - als Puff-Politiker.