Karikaturenstreit »Warum hassen sie uns?«

Wie die Dänen damit ringen, wegen der Mohammed-Karikaturen das Feindbild der Islamisten zu sein

Wie die Dänen damit ringen, wegen der Mohammed- Karikaturen das Feindbild der Islamisten zu sein

Das Kindertelefon von Børns Vilkår, dem Verein für Kinderinteressen, steht nicht mehr still. Manchmal sind es die Eltern, aber meistens die Kinder selbst: »Ich habe richtig Angst, dass ein Krieg kommt«, sagen sie. Oder: »Was passiert hier eigentlich? Wie soll ich mich verhalten?«

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Schon hat der Dänische Kinderrat eine Empfehlung herausgebracht, wie Eltern das Thema ihren Kindern nahe bringen oder besser: es von ihnen fern halten können. Wenn dein Kind nicht fragt, dann sprich nicht darüber, rät dort ein Psychologe. Aber was hilft der Rat, wenn die Kinder ganz bestimmt fragen, weil das Thema und die Angst längst auf jedem dänischen Schulhof angekommen sind? Lüge nicht, aber geh nicht zu tief in die Einzelheiten, empfiehlt der Kinderrat weiter, und erzähl deinen Kindern, das Risiko, dass in Dänemark terroristische Anschläge geschehen könnten, sei gering. Nun müssen die Kinder das nur noch glauben.

So tief sind die Mohammed-Affäre und die Kampfansage der muslimischen Welt an Dänemark schon in den Alltag eingedrungen, dass man ohne Übertreibung sagen kann: Dies ist nicht mehr das Land, das wir eben noch zu kennen glaubten. Das Land, das Probleme nur vom Hörensagen kannte, das Land, in dem Freisinn und Geschäftsgeist eine äußerst vorteilhafte Verbindung eingingen; in dem man sich so sicher und geborgen fühlen durfte wie kaum irgendwo sonst auf diesem Planeten. Dieser fortwährende und nur in Kriegszeiten bedrohte Zustand der Sicherheit und Geborgenheit heißt auf Dänisch tryghed, und nur halb im Spaß nennen sich die Dänen gern tryghedsnarkomaner, Sicherheits-Junkies.

Dieses starke Bedürfnis mag aus einer Zeit stammen, als Unsicherheit der Normalzustand war, aber längst drückt sich in dem dänischen Verlangen nach Sicherheit nur noch der Wunsch aus, die unendlich angenehme Stimmung der vergangenen Jahre möge für alle Zeiten anhalten. Wer wollte bestreiten, dass es sich in Dänemark und namentlich in Kopenhagen angenehm leben lässt? Die Kriminalität unterschreitet noch das Niveau deutscher Metropolen, den Kinderwagen lässt man beim Shopping einfach vor der Ladentür stehen. Sicherheit, wohin man schaute, in einer zum breiten Konsens begabten – oder verurteilten – Gesellschaft, die soziale Rangunterschiede am liebsten ignoriert.

Ja, dieses Dänemark war eine Art Paradies, ein gepflegter Garten, in dem nicht einmal Naturkatastrophen vorstellbar waren, keine Erdbeben, keine Waldbrände, keine Lawinen, und wenn irgendwo einmal ein Schweinetransport entgleist war, erfuhr man davon in den Hauptnachrichten.

Leser-Kommentare
  1. Jetzt nicht nur speziell auf die Dänen bezogen: ich höre viele Muslime klagen: "Die Europäer" setzen den Islam mit Terrorismus gleich! Tja, hier müsste man schon stutzig werden...Den Menschen, die jetzt die Dänen "boykottieren", fehlt einfach die Fähigkeit zur differenzierten Betrachtung. Allerdings fehlt diese auch vielen Menschen im "Westen".

  2. sich zu fragen warum die Muslime die Daenen offenbar als Zielscheibe fuer Hass und Zorn auf's Korn genommen haben .Die Daenen sind fuer die Muslime die best gehassten Leute 'auf Befehl' und es wird so bleiben bis entweder Daenemark sich bereit findet den beruehmten Gang nach Canossa (diesmal Mekka oder was weiss ich) zu wiederholen oder genuegend Euros aufeinander stapeln um fuer die angeblichen Beleidigungen zu zahlen.Diese Krawalle sind fuer die jeweiligen Regierungen ein Mittel um die heimischen Unzulaenglichkeiten zu kaschieren aber auch Mittel zum Zweck die Daenen,oder gleich alle Europaer zur Kasse zu bitten.Oder glaubt da etwa noch jemand dass diese Krawalle etwas mit Religion zu tun haben?

  3. Sondern darum dass die Mullahs und Imame schon lange verlangen dass ueberall in Europa jeder die Gesetze( die von dubiosen Quellen aufgestellt wurden) beachtet werden,egal ob Muslim oder nicht.Man will den Europaern nicht nur die Meinungs-und Pressefreiheit beschneiden sondern uns nun auch befehlen was wir tun und lassen duerfen damit durch den importierten Islam Europa in Eurabia wandeln kann.Diese Krawallen sind ganz bestimmt nicht wegen der albernen Karikaturen!

  4. [ilabernet] schreibt: " Wenn es um Pressefreiheit gegangen wäre, so hätte man parallel auch Christuskarikaturen als Wettbewerb ausschreiben können. "

    Man hätte das allerdings tun können, aber das wäre völlig harmlos. Harmlos sind dagegen nicht der Mord an Theo van Gogh, die Morddrohungen gegen Ayaan Hirsi Ali und andere Islamkritiker, der Überfall auf einen dänischen Orientalisten, der es gewagt hat, Verse aus dem Koran vorzutragen, mehrere Fälle von Selbstzensur in europäischen Museen usw. usf.

    Es hat also einen konkreten Anlass gegeben, zu untersuchen, inwiefern Journalisten und Illustratoren auf diesem Hintergrund eingeschüchtert sind.

    [ilabernet] schreibt ferner: "Ob irgendeiner von den angeblich für die Pressefreiheit einstehenden Zeitungen auch gleichermaßen für die Pressefreiheit einsteht, indem die angekündigten Judenkarikaturen der iranischen Zeitung nachgedruckt werden, das wage ich zu bezweifeln"

    Ich auch! Ich wage zu bezweifeln, dass die angekündigten Karikaturen den ethischen Standards der verantwortlichen europäischen Zeitungen entsprechen werden. Karikaturen dieser Art sind meistens rassistisch - die 12 Karikaturen in "Jyllands-Posten" waren es nicht.

  5. ALLE WERDEN UNS LIEBEN!

    Eine Pastorin hier in unserer Diözese Lolland-Falster hat mir eben eine Kopie des Artikels ”Warum hassen sie uns?” gesandt (Die Zeit 16.02.06). Es ist ein boshafter, böswilliger Artikel. Das schlimmste ist, dass es so schamlos mit dem islamistischen Terror droht. Und kein Wort davon, dass der Hintergrund der Zeichnungen Jyllands-Postens der Mord an Theo van Gogh ist - und die Drohungen gegen Ayaan Hirsi Ali, der Überfall auf einen dänischen Universitätslehrer und mehrere Beispiele der Selbstzensur in Dänemark und anderen Ländern. Das letzte Beispiel war, dass man für ein Kinderbuch über den Profeten Mohammed keinen Zeichner finden konnte, der unter seinem Namen auftreten wollte.

    Man kann sagen, dass die ”Aktion” Jyllands-Postens in hohem Grade auch ein Ausdruck der Solidarität mit Holland war. Und heute sehen wir, das Holland in der Europäischen Union das Land ist, der mit uns am meisten solidarisch ist.

    Wir haben aber auch andere mutige Freunde in den Bevölkerungen der Europäischen Union und anderer demokratischen Länder, und wir werden mehr bekommen. Die Islamisten haben einen globalen Krieg gegen Freiheit, Demokratie und Menschenrechte eingeleitet. Diesen Krieg werden wir aber gewinnen. Und die universalen Menschenrechte sollen auf einmal unser Ziel und unsere Waffe sein. Die islamischen Diktaturen müssen von jetzt ab unter einen ständigen Druck gesetzt werden, damit auch die Mitmenschen die dort in Unfreitheit leben, befreit werden können und ein besseres Leben haben werden.

    Dänemark wird in diesem Kampf eine leitende Rolle spielen. Wie wir immer eine leitende Rolle im Kampf für Freiheit, Demokratie und Menschenrechte gespielt haben. Und alle werden uns lieben!

    Bent Christensen

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    Bent Christensen
    Pastor, Dr. theol.
    Fuglsevej 5
    DK-4960 Holeby

    Tel: + 45 5469 6080.

    bc@bentchristensen.dk

    www.bentchristensen.dk

  6. Mich wundert es, dass immer noch davon ausgegangen wird, es wäre um Pressefreiheit gegangen. Wenn es um Pressefreiheit gegangen wäre, so hätte man parallel auch Christuskarikaturen als Wettbewerb ausschreiben können.

    Es geht den meisten, wie man auch hier in vielen Kommentaren erkennen kann, um ein irrationales Feindbild Islam. Parallelgesellschaften werden Vorgeworfen, weil sich Moslems ihre eigenen Netzwerke notgedrungen aufbauen. Wer als islamischer Migrant eine Wohnung mieten will, kann das in Europa meist nur überteuert, oder wenn er Bekanntschaften pflegt. Ebenso in Arbeitsstellenbewerbungen und sonstigem. Das islamische Migranten überall in Europa als Folge der ihnen widerfahrenden Diskriminierungen ihre Netzwerke untereinander konstruieren, wird ihnen vorgeworfen, um von anderen Problemen abzulenken. Solange ein Le Pen, Anders Fogh Rasmussen, oder die hiesige CDU Wahlkampf auf Kosten von islamischen Migranten machen, weil sie dem schnellen kurzfristigem Erfolg des Populismus nicht widerstehen können, wird dieser "Kulturkampf" kein Ende finden. In einer Gesellschaft, in der sich Menschen im Rahmen ihrer BDSM Bedürfnisse auspeitschen lassen dürfen, ohne Zweifel an ihrer Selbstbestimmung zu hegen, während bei Kopftuchtragenden Frauen die Selbstbestimmung angezweifelt wird, geht es auch nicht um Kulturkampf, sondern um pure irrationale Xenophobie.

    Ob irgendeiner von den angeblich für die Pressefreiheit einstehenden Zeitungen auch gleichermaßen für die Pressefreiheit einsteht, indem die angekündigten Judenkarikaturen der iranischen Zeitung nachgedruckt werden, das wage ich zu bezweifeln.

    Wer glaubt, es gehe hier irgendwie um Pressefreiheit, der liegt weit daneben.

    • Anonym
    • 05.12.2007 um 9:17 Uhr

    Ich habe selten einen so schlechten Artikel gelesen. Der Autor verfällt in ein so plumpes Schwarz-Weiß-Denken, wie ich es von einem Leiter des dänischen Goethe-Instituts (und von der Zeit) nicht erwartet hätte. Der Autor beschreibt Dänemark als einen "nationalen Schrebergarten" und teilt die dänische Gesellschaft praktischerweise auch gleich in "Danozentriker und Weltoffene" ein. Über den realen  Hintergund der Entstehung der Karikaturen und die Debatte innerhalb Dänemarks verliert der Autor kein Wort. Stattdessen wird die dänische Gesellschaft mit Klischees überworfen und als geradezu weltfremd dargestellt. Einige Sätze muss man sich auf der Zunge zergehen lassen:"Das Land, das Probleme nur vom Hörensagen kannte (...)" "Ja, dieses Dänemark war eine Art Paradies, ein gepflegter Garten, in dem nicht einmal Naturkatastrophen vorstellbar waren (...)""Dänemark als nationaler Schrebergarten, in dem an bestimmten
    Flaggentagen der Dannebrog hochgezogen und dazu Bier (sic!) getrunken wird:
    Aus diesem milden Selbstbetrug sind die Dänen in diesen Tagen
    schmerzhaft erwacht.""Die Stimmung war glänzend in Dänemark, ehe die Zeitung
    Jyllands-Posten (...)
    auf die Idee verfielen, die religiösen Gefühle der dänischen Muslime (...) einem kleinen
    Belastungstest zu unterziehen." Man muss die dänische Asyslpolitik, den Einfluss der Dansk Folkeparti (die zwar rechtspopulistisch, aber definitiv nicht rechtsradikal ist !) oder die Politik der neuen  bürgerliche Regierung nicht mögen (das tue ich auch nicht). Aber man sollte sich hüten den Nährboden für religiösen Fundamentalismus und fanatisierte Gewalt im dänischen Schrebergarten (oder sonstwo) zu suchen. Das ist einfach nur falsch (wenn nicht zu sagen: zu billig).

  7. Und zwar fuer die Aufname von mehr Irakern als andere EU-Laender ausser vielleicht Schweden.Zum Dank dafuer machen sie Probleme , verweigern die Integration und 70% der Insassen in daenischen Jugen-Gefaengnissen sind Muslime. Jeder Muslim kostet den daenischen Steuerzahler ca 300.000 Euro per Jahr da die meisten vom Staat unterhalten werden muessen.
    Wie viele Iraker hat man in der Tuerkei aufgenommen?

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