Hatte man sich irgendwie anders vorgestellt, dieses Herz. Manche Politiker nennen den Platz so, er war ja auch wirklich mal die Mitte Hamburgs, hier lag die Hammaburg vor 1200 Jahren, hier stand der mächtige gotische Mariendom. Doch Herz? Allenfalls ein Schotterherz ist das, ein Pfützenherz. Von der einst so stolzen Geschichte ist kaum mehr geblieben als eine räudige Parkfläche für Autos. Der Hamburger Domplatz – ein graues Nichts seit 60 Jahren. BILD

Nun aber soll aus dem Nichts wieder ein Etwas werden, schnell und gewaltig. Endlich Schluss mit Brache, endlich wird gebaut, weltbekannte Architekten wie Zaha Hadid oder Peter Eisenman haben sich um den Auftrag beworben. Und im Pressehaus neben dem Domplatz, dort, wo auch die ZEIT sitzt, sind die Entwürfe nun für zwei Wochen zu besichtigen. Es ist eine sehr empfehlenswerte Ausstellung, denn dem, der sie besucht, erscheint der räudige Parkplatz plötzlich gar nicht mehr so räudig. Und das graue Nichts wirkt geradezu sympathisch.

Das liegt daran, dass viele der Modelle kaum mehr bieten als nichts, nur dass dieses Nichts sehr viel monströser ausfällt. So ist der Sieger des Architektenwettbewerbs, ein Entwurf des Büros Auer + Weber aus München, an Banalität kaum zu überbieten. Ein pompöser Vielzack soll entstehen, die Glaswände ein wenig angeschrägt und gekippt, allein damit die Klobigkeit des Ganzen nicht allzu sehr auffällt. Wie ein geheimnisvoller "Kristall" werde der Bau in die Stadt hinausstrahlen, versprechen die Architekten. Doch im Vergleich zu den vielen wunderbaren Kristallhäusern der Architekturgeschichte, von Bruno Taut bis Coop Himmelblau, wirkt dieser Entwurf eher wie ein leckgeschlagenes Riesenaquarium.

Entsprechend groß ist der Unmut in Hamburg. Zwar lobt Hamburgs Oberbaudirektor Jörn Walter unverdrossen die überkragende Fassade des Baus als "ein interessantes Pendant zur Petrikirche". Doch die Stimmen der Kritik sind kaum noch zu überhören. Michael Osterburg von den Hamburger Grünen wettert gegen die "gigantische Lackierhalle". Der Kunst- und Stadthistoriker Hermann Hipp nennt es einen "kulturbanausischen Akt". Und von einem "Kontrastknaller" spricht der international bekannte Architekt Volkwin Marg, der mit seinem Büro gmp selbst am Domplatz-Wettbewerb beteiligt war. "Dieser Bau, der könnte auch irgendwo am Golf stehen oder in Moskau oder in Shanghai. Der hat mit Hamburg und mit dem Domplatz nichts zu tun."

"Für so wenig Geld ist nur ein Schuhkarton zu haben"

Zwar tut das wuchtige Glasgebilde ungemein bedeutsam, von der Bedeutung des historischen Ortes aber vermittelt es nichts. Es soll nur die Augen kitzeln, soll die Menschen herüberlocken vom nahen Jungfernstieg – und ignoriert seine Umgebung. Gebauter Autismus im Herzen der Stadt.

Gewiss, die Architekten sehen es anders, sie begreifen das "Sockelplateau und dessen südliche Aufkantung als Referenz an das tradierte steinerne Stadtbild". Übersetzt: Ein Backsteinriegel soll im Süden des Domplatzes emporwachsen. Doch wirkt der neben dem Glasbau völlig unmotiviert und lässt so den Gesamtentwurf noch haltloser erscheinen.