Hungrige Leute im Biergarten. Was sehen sie? Ein fettes Schwein. Treibt auf einem Floß die Donau hinab. Frühjahr 1945. Der Krieg kann nur noch Stunden dauern, auch in Regensburg. Schon rotten sich die Weiber zusammen, um die Stadt kampflos den Amerikanern zu übergeben. Im Biergarten die Männer. Das alte Palaver. Mannesehre. Aber eine dicke Sau? Lässt man sich doch jetzt nicht entgehen. Auch der Bürgermeister springt ins Wasser. Geht fast unter.

Da treiben die schönen Schinken und Kotelettes auf eine Insel im Fluss. Die ist wegen des Hochwassers nur zeitweise bewohnt, von einer aufsässigen Familie, die dort schmackhafte Rettiche pflanzt und sich zwölf Jahre lang gegen die Nazis gewehrt hat. Grandioser Beginn eines endlich zu entdeckenden Buches eines Autors.

Er ist ein halber, dem Lebensgenuss fröhlich zugetaner Flame. Ludwig Bemelmans wurde 1898 in Meran geboren, Sohn eines belgischen Malers und einer bayrischen Brauereibesitzertochter. Als der Leichtfuß von Vater mit dem französischen Kindermädchen durchbrennt, kehrt die Mutter mit dem Sohn ins Elternhaus zurück nach Regensburg. Im Brauhaus des Großvaters wächst der kleine Ludwig auf. Und tut nicht gut. Schlägt er dem Vater nach? Die ratlose Familie schickt den Sechzehnjährigen 1914 nach Amerika. Und alles wird gut.

Ludwig arbeitet im Hotelfach, bringt es 1933 zum eigenen Restaurant - und entdeckt sein Talent zum Zeichnen, Malen und Erzählen kleiner lustiger Unterhaltungsromane. Um seinen amerikanischen Mitbürgern, deren Soldaten dabei sind, Deutschland von den Nazis zu befreien, seine alte Heimat nahe zu bringen, schreibt Bemelmans den humorvoll-melancholischen Roman Die blaue Donau (LOhrbär, Regensburg - 3 CDs, 220 Min., 19,90 e). Auch wenn sich ihm in der Erinnerung manches verklärt, ist es erstaunlich, wie treffend Bemelmans aus der Ferne die deutschen Zustände am Ende der Hitlerei schildert. Das Buch erschien in den letzten Tagen des Kriegs in New York. Höchste Zeit, dass wir es endlich kennen lernen können, vorerst als Hörbuchfassung. Bekannte Regensburger sprechen (Peter Heeg, Eginhard König, Eva Demski), die weit über Regensburg hinaus beliebte Blasmusik der Negerländer ist die richtige Begleitung der schönen G'schicht.