Eine der letzten deutschen Männerdomänen zeigt Auflösungstendenzen: das steife Finanzgewerbe. Denn eine Generation Frauen um die 40 Jahre ist auf dem Weg nach oben. Sie seien kollegial, optimistisch, ehrgeizig und dem eigenen Stil treu, sagt Angela Hornberg, die als Personalberaterin die Bankerszene seit langem kennt. Am Montag dieser Woche ernannte die amerikanische Investmentbank Morgan Stanley Dagmar Kollmann (41 Jahre, drei Kinder) zur Deutschlandchefin. Im September erst hatte die niederländische Bank ABN Amro für Aufsehen gesorgt. Die Holländer machten Ingrid Hengster (45) zur Chefin für das deutsche Geschäft - obwohl sie während der Verhandlungen offen zu ihrer ersten Schwangerschaft stand.

In großen deutschen, börsennotierten Konzernen sucht man weibliche Finanzchefs und Vorstandschefs vergeblich. Frauen, die Karriere machen wollen, müssen zu ausländischen Adressen gehen, sagt Hornberg bedauernd. In Deutschland dürften Frauen nur bis zur Ebene unter dem Vorstand vorrücken.

Dagegen ist die Investmentbankerin Dorothea Blessing (37, drei Kinder) seit 2005 eine von fünf Partnerinnen bei Goldman Sachs in Frankfurt. In der Tat: Was in Deutschland noch für Schlagzeilen sorgt, ist im Ausland üblicher. So ist Zoe Cruz seit kurzem die Nummer zwei weltweit bei Morgan Stanley. Mir war es immer egal, ob ich mit Frauen oder Männern zusammengearbeitet habe, sagt Kollmann. In den zwölf Jahren bei Morgan Stanley habe schlicht Kompetenz gezählt.