Um die Rolle des Statisten auf der Weltbühne abzuwerfen, schreibt Russland das Drehbuch für den Nahen Osten um: Präsident Wladimir Putin lud zur Überraschung der anderen Mitglieder des Nahostquartetts aus Europäischer Union, USA und UN in der vergangenen Woche die Hamas zu Gesprächen nach Moskau ein. Das Vorpreschen des Kremls untergräbt die Kontaktsperre, mit der westliche Staaten im ersten Schock auf den triumphalen Sieg der radikalislamischen Palästinenserorganisation bei der Parlamentswahl reagierten. Doch nach Moskaus Kalkül wäre der Bann ohnehin nicht lange durchzuhalten gewesen. Frankreichs nachträgliche Zustimmung zum russischen Gesprächsangebot belegt dies.

Russland nutzt die Spannungen zwischen der islamischen Welt und dem Westen, um sich in Anlehnung an die sowjetische Außenpolitik vor allem den arabischen Ländern als Freund anzudienen. Das neue, offensive Selbstbewusstsein stützt sich vor allem auf den Reichtum an Öl und Gas, der den Westen bindet und in einem Konfliktfall zum Einlenken bringen könnte. Beim Moskauer G8-Gipfel der Finanzminister der wichtigsten Industriestaaten in der vergangenen Woche schockte Putin den amerikanischen Vertreter damit, dass Russland bald einer der Hauptenergielieferanten der USA sein werde.

Putins Nahostpolitik ist riskant. Moskau könnte sich mit der Verantwortung, die es im Nahen Osten an sich reißt, überheben. Schon als Vermittler im Konflikt um Nordkoreas Atomraketen hatte sich Putin düpieren lassen: Nachdem er stolz Kim Jong Ils Versprechen verkündete, das Raketenprogramm zu stoppen, tat dies der nordkoreanische Staatschef unverzüglich als Scherz unter Präsidenten ab. Im Konflikt um das Atomprogramm Irans musste Moskau einmal mehr ein angekündigtes Vermittlungstreffen streichen: Teheran sagte die für diesen Donnerstag geplante Anreise seiner Delegation kurzfristig und ohne Gründe ab.