Im Januar zündeten noch rund tausend Koreaner Kerzen an, um ihren gefallenen Volkshelden zu unterstützen. Bei eisigen Temperaturen hielten die Menschen Nachtwache, weil sie sich mit dem "Stolz Koreas" solidarisieren wollten. Vergebens. Inzwischen dürften selbst Lichterketten dem Klonforscher Hwang Woo-Suk nicht mehr helfen.

Innerhalb weniger Wochen beendeten gleich zwei Maßnahmen endgültig die Karriere des einstigen Nobelpreis-Anwärters: Am 12. Januar zog das Fachmagazin Science die beiden Publikationen des koreanischen Wissenschaftlers offiziell zurück. Und vor drei Tagen entschied der Direktor der Seoul National University, dass der ehemalige Superstar und sechs andere Professoren ihre Posten räumen müssen. Sie dürften zwar ihre Professorentitel behalten, jedoch an der Universität künftig weder unterrichten noch forschen. Sie alle waren Autoren mindestens einer der beiden Studien, die viele Experten als größten Forschungsskandal des Jahrhunderts bezeichnen.

Im Jahr 2004 hatten Hwang und seine Kollegen in Science behauptet, gleich 30 menschliche Klone geschaffen zu haben. Aus einem von ihnen hatten sie angeblich eine Stammzell-Linie gewonnen. Ein Jahr darauf folgte der nächste Durchbruch: Sie verkündeten, dass sie sogar maßgeschneiderte Stammzellen für Patienten aus Hautzellen gewonnen hätten. Schon bald, so hieß es, sollte es möglich sein, Ersatzgewebe für Kranke zu züchten. Alles erfunden, gefälscht, manipuliert – das ergab im Januar die Untersuchung einer Kommission der Seoul National University. Nur der Klonhund Snuppy, den Hwang im August 2005 im Fachjournal Nature präsentiert hatte, sei echt.

Vor wenigen Tagen gab nun die University of Pittsburgh ein Gutachten über jenen Mann heraus, der den Machenschaften des Koreaners die nötige Glaubwürdigkeit verlieh. Der angesehene Reproduktionsmediziner Gerald Schatten soll im Hintergrund die Fäden gezogen, durch seinen Einfluss die Publikation von Hwangs Arbeit in Science erst ermöglicht haben. Bei der jüngsten Studie des Koreaners wird Schatten sogar als Senior-Autor geführt.

Der Abschlussbericht jedoch kommt fast einem Freispruch gleich – Schatten habe weder wissentlich gefälscht noch nachweislich von Hwangs Täuschungen gewusst. Allerdings hätte er misstrauisch werden sollen. "Wir glauben, dass Schatten nicht nur einem Kollegen helfen wollte, den er bewunderte", schreibt die Untersuchungskommission; er habe sich vielmehr von dem Durchbruch des Koreaners auch selbst Ruhm und Ansehen erhofft.

Als im November 2005 erste Ungereimtheiten bei der Eizellgewinnung aufgedeckt wurden, nutzte Schatten die Gelegenheit, sich von Hwangs Arbeit zu distanzieren. Er beendete abrupt jegliche Zusammenarbeit mit den Koreanern, wollte sogar seinen Namen aus der Autorenliste der Science- Publikation löschen lassen.

Doch damit nicht genug. Stetig wird das Lügennetz größer, in dem sich Hwang und seine Kollegen verfangen haben. Hatte der Klonforscher im vergangenen Herbst noch behauptet, keine der Eizellspenderinnen sei für ihre Gabe entlohnt worden, zeigt sich nun, dass mindestens 66 der 119 Frauen Geld erhielten. Außerdem wurden statt der angegebenen 427 Eizellen 2221 Eizellen verbraucht. Und wenigstens 15 Spenderinnen erkrankten an einem ovariellen Überstimulationssyndrom – einer gefürchteten Folge der hormonellen Stimulation vor der Eizell-Entnahme, die von leichter Übelkeit bis zu schweren Nieren- und Leberschäden reichen kann.

Hwang behauptet auch, ihm sei "entfallen", was mit den 2,6 Millionen Dollar geschehen ist, die aus staatlichen und privaten Fördermitteln auf seine Privatkonten flossen. Zwei Koautoren der letzten Science- Studie gaben zu, dass sie im vergangenen Herbst insgesamt 50000 Dollar erhielten. Damit kann der einst gefeierte Superstar wohl endgültig seine Karriere begraben.