JANUAR 1946

In den ersten freien Wahlen auf deutschem Boden seit 1933 wählen die Bürger in Hessen, Württemberg-Baden und Bayern ihre Gemeinderäte

Infolge der ersten Wirtschaftskrise der Bundesrepublik – sinkende Steuereinnahmen, fast eine halbe Million Arbeitslose – tritt Bundeskanzler Ludwig Erhard zurück. Die FDP beendet die Koalition mit der Union. Am 1. Dezember wird Kurt Georg Kiesinger (CDU) Kanzler in einer Großen Koalition mit dem SPD-Vorsitzenden Willy Brandt als Vizekanzler und Außenminister

5. MÄRZ 1946

In der amerikanischen Besatzungszone tritt das "Gesetz zur Befreiung von Nationalsozialismus und Militarismus" in Kraft – und wird zum Vorbild für die Entnazifizierung in den übrigen westlichen Zonen: Alle Deutschen über 18 Jahren müssen in Fragebögen über ihre Funktion im NS-Staat Auskunft geben

21. bis 22. APRIL 1946

Aus der Zwangsvereinigung von KPD und SPD entsteht in der sowjetischen Besatzungszone die SED, die Sozialistische Einheitspartei Deutschlands. Bereits am 7. März wurde die Freie Deutsche Jugend (FDJ) gegründet

30. SEPTEMBER bis 1. OKTOBER 1946

Im Nürnberger Hauptkriegsverbrecherprozess, der am 20. November 1945 begonnen hat, werden die Urteile über die 22 Angeklagten verlesen. Für Hermann Göring (Foto), Joachim von Ribbentrop und zehn weitere lautet das Urteil Tod durch den Strang. Rudolf Heß, Baldur von Schirach und Albert Speer werden zu Haftstrafen verurteilt. Es folgen insgesamt zwölf weitere Prozesse, unter anderem gegen die IG Farben, den Flick-Konzern und das Oberkommando der Wehrmacht

15. OKTOBER 1946

Der erste deutsche Nachkriegsfilm feiert Premiere: die Defa- Produktion Die Mörder sind unter uns
von Wolfgang Staudte mit Hildegard Knef (Foto l.) und Ernst Wilhelm Borchert (Foto r.) in den Hauptrollen. Der Film erzählt vom Elend der Nachkriegsjahre und thematisiert die deutschen Kriegsverbrechen der NS-Zeit

WINTER 1946/47

Deutschland erstarrt im Frost, die industrielle Produktion steht still, es mangelt an Brennstoff, der tägliche Kaloriensatz liegt zum Teil unter 1300. Auf dem Schwarzmarkt verscherbeln Familien ihre Erbstücke, amerikanische Zigaretten etablieren sich als begehrte Zweitwährung

JUNI 1947

US-Außenminister George C. Marshall, der Nachfolger James Byrnes’, kündigt ein Hilfs- und Wiederaufbauprogramm für Europa an: den Marshallplan in Höhe von mehreren Milliarden Dollar. Gefördert werden die "europäischen" Staaten von Skandinavien bis zur Türkei

10. SEPTEMBER 1947

Hans Werner Richter und Alfred Andersch, ehemals Herausgeber der Zeitschrift Der Ruf, laden zu einem Autorentreffen im Allgäu ein: die Geburtsstunde der Gruppe 47. Im November hat Wolfgang Borcherts Heimkehrerdrama Draußen vor der Tür an den Hamburger Kammerspielen Premiere. Der Autor (Foto von 1945) stirbt einen Tag vor der Uraufführung im Alter von 26 Jahren in Basel

23. FEBRUAR bis 6. MÄRZ

20. APRIL bis 2. JUNI 1948

Auf der Londoner Sechsmächtekonferenz beschließen die westlichen Siegermächte und die Beneluxstaaten, dass Deutschland "auf der Basis einer freien und demokratischen Regierungsform" allmählich "die volle Regierungsverantwortung" übernehmen und sich eine Verfassung geben soll. Sowjetische Vertreter sind nicht eingeladen. Die Sowjetunion verlässt daraufhin den alliierten Kontrollrat. Deutschland wird zum Schauplatz des Kalten Krieges