Interview Candace Bushnell»Frauen mögen Macht«
Ein Gespräch mit der amerikanischen Schriftstellerin Candace Bushnell über die Lust der Frauen auf Karriere und Erfolg
DIE ZEIT: In Ihrem Roman Lipstick Jungle beschreiben Sie eine neue Frauengeneration: Frauen in Spitzenpositionen, deren Leben sich ausschließlich um Arbeit und Macht dreht statt um Kinder und Männer.
Candace Bushnell: Das ist das Thema, über das ich Frauen seit drei, vier Jahren reden höre. Plötzlich treffe ich Frauen Anfang vierzig, die nach New York kamen, um es zu schaffen, und die nach zwanzig Jahren Arbeit jetzt endlich oben sind. Sie haben Führungsposten, sie machen richtig Geld und finden im Erfolg tiefe Befriedigung.
ZEIT: Aber sagen Frauen wirklich: Ich liebe Macht um der Macht willen?
Bushnell: Zunehmend, und das finde ich großartig. Jedes Mal, wenn ich eine Frau mit einer Goldmedaille um den Hals sehe, denke ich: Genau, Sport ist das einzige Feld, in dem es uns erlaubt ist, an der Spitze zu stehen. Erfolg ist ein so verdammt gutes Gefühl, warum wird es Frauen sonst vorenthalten? Es wird dich vermutlich nicht für immer glücklich machen, aber im Leben geht es nun mal um große Momente.
ZEIT: Wo lernen Sie diese Frauen kennen?
Bushnell: Ich halte Lesungen an Colleges, ich mache Buchtouren, ich habe viele Freundinnen. Das sind private, kleine Umfragen, keine statistischen Erhebungen. Aber so verstehe ich meine Aufgabe als Schriftstellerin: Du brauchst ein Gespür für Veränderungen in der Gesellschaft, einen Instinkt. Frauen mögen Macht: Das ist ein schmutziges kleines Geheimnis, das es zu enthüllen gilt.
ZEIT: Wieso schmutzig?
Bushnell: Als Sex and the City herauskam, haben die Leute aufgeschrien: Frauen reden über Sex! Es hat mich sehr überrascht, dass solche Reaktionen noch Anfang der neunziger Jahre möglich waren. Frauen und ihr Streben nach Erfolg ist genauso ein Tabu. Bislang gilt: Will eine Frau Erfolg, muss sie eine Zicke sein, die andere Frauen hasst. Aber das ist nicht wahr. Die Meinung anderer Frauen ist Frauen wichtig, sie wollen hart arbeiten und Gehör finden in der Gesellschaft. Sie wollen darin keine Ausnahme sein, sondern die Regel. Und wenn sie Kinder haben, dann haben sie die Erziehungspausen häufig kurz gehalten.
ZEIT:Sex and the City haben Sie mit Mitte dreißig geschrieben, Ihre Botschaft: Glück ist, gut auszusehen und den richtigen Mann zu finden. War das rückblickend falsch?
Bushnell: Nein. Es ist außerdem nicht mein Ziel, Vorbilder zu schaffen. Ich versuche, die Wirklichkeit wiederzugeben: was wir denken und fühlen, wie die Welt aussieht und welche Probleme wir Frauen damit haben.
ZEIT: Woher kommt denn eigentlich plötzlich diese Frauengeneration, die so richtig Karriere machen will?
Bushnell: Anfang der achtziger Jahre haben Frauen in den USA begonnen, Karrieren zu planen, anstatt auf den Status als Gattin zu warten. Das ist neu in der Geschichte. Obwohl, gerade fällt mir ein: Das gab es schon einmal in den zwanziger Jahren, dass Frauen kleine Betriebe gründeten. Die Generation der flapper. Das waren Frauen in kurzen Röcken mit kurzen Haaren, die tranken und rauchten und viel Sex wollten, aber nicht heiraten. Sie waren stolz auf die Missachtung, die ihnen die Gesellschaft für ihr ungebührliches Verhalten entgegenbrachte.
ZEIT: Ist die Gesellschaft heute nicht längst reif für ein solches Lebensmodell?
- Datum 16.02.2006 - 13:00 Uhr
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- Quelle DIE ZEIT 16.02.2006 Nr.8
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