DIE ZEIT: Herr Mueller-Stahl, Sie sind nicht nur Schauspieler, sie schreiben und malen auch. Wenn Sie malen …

Armin Mueller-Stahl: …fallen mir ganz besondere Dinge auf. Zum Beispiel Thomas und Heinrich Mann. Ich habe die beiden damals während der Dreharbeiten zum Filmprojekt Die Manns gezeichnet. Dabei habe ich Thomas Mann ausschließlich mit Aufwärtsstrichen, Heinrich Mann nur mit Abwärtsstrichen gezeichnet.

ZEIT: Wie sind Sie darauf gekommen?

Mueller-Stahl: Das hat nichts mit klugen Gedanken zu tun. Malen ist reine Bauchsache. Ich schalte mein Gehirn derart aus, dass man fast von einem Verdummungsprozess sprechen könnte.

ZEIT: Was fanden Sie an Thomas Mann am faszinierendsten?

Mueller-Stahl: Ich muss sagen, seine Person war es gar nicht. Er hatte alles darauf angelegt, für die Unsterblichkeit zu schreiben. Das ist mir fremd. Was ich an der Serie Die Manns toll fand: dass einmal ein Schriftsteller im Mittelpunkt des deutschen Interesses steht, nicht immer diese Bösewichter wie Hitler, Stalin oder Napoleon.

ZEIT: Interessiert Sie das Böse etwa nicht?

Mueller-Stahl: Doch, das Böse fasziniert mich schon. Ich habe ja auch viele Bösewichter gespielt. Ich finde es nur schwierig, wenn alles Böse auf einen Menschen abgeladen wird. Viel interessanter ist es doch, Charaktere zu zeigen, die das Böse und das Gute als Potenzial in sich tragen. Schauen Sie, in dem Film Gespräch mit dem Biest…

ZEIT: …aus dem Jahr 1996, bei dem Sie auch Regie geführt und das Drehbuch geschrieben haben…

Mueller-Stahl: …da geht es um einen 103-jährigen Doppelgänger Hitlers, bei dem es aber Zweifel gibt, ob er es nicht doch selbst ist. Es war mir wichtig, dass meine Darstellung dieser Person ein eindeutiges Urteil nicht vorwegnehmen kann. Es liegt alleine beim Zuschauer.

ZEIT: Zu DDR-Zeiten sollten Sie ja auch schon einmal Heinrich Manns Henri Quatre spielen.

Mueller-Stahl: Ja, und für die Rolle der Gabrielle sollte ursprünglich Claudia Cardinale verpflichtet werden. Die aber konnte die Defa nicht bezahlen.