Vor einem halben Jahr brannte es auf Schloss Elmau, Ihrem 90 Jahre alten Hotel, einst Herberge des deutschen Bildungsbürgertums. Wie weit sind Sie mit dem Wiederaufbau?

Wir hoffen, dass wir die Baugenehmigung Ende März bekommen. Das wäre Rekord in Deutschland. Die Behörden geben sich größte Mühe. Die Leute vom Denkmalschutz wollten versuchen, das Gebäude zu halten, soweit es geht, aber es stellte sich heraus, dass das absolut unmöglich ist. Zwei Drittel sind schon abgerissen. Da stehen jetzt nur noch der Turm und der Konzertsaal, das sieht wie eine Kirche aus. Nun beginnt praktisch ein kompletter Neuaufbau. Es werden nur noch 140 Zimmer sein statt vorher 180, das kleinste aber 30 Quadratmeter groß.

Werden Sie alles wieder nachbauen, also eine Art Dresdner Frauenkirche?

Wir bauen nach neuen Plänen, aber der Architekt Christoph Sattler und ich orientieren uns am Alten. Es sind ja unsere beiden Großväter, die das Schloss gebaut haben. Und wir Enkel sind jetzt in der Lage, es noch mal neu zu machen. Ein wahnsinnig spannendes Projekt. Die Grundstruktur des Gebäudes bleibt erhalten, ein Schloss mit vier Flügeln, aber die Fenster werden anders sein und solche Kleinigkeiten. Wir denken, es sieht aus wie das Schloss Elmau fürs 21. Jahrhundert, weniger Carlo, etwas mehr Christoph Sattler, weniger Johannes Müller, etwas mehr Dietmar.

Wollen Sie auch vollends vom Image der kulturprotestantischen Innerlichkeit loskommen, von Tanz, Kammermusik und Saaltöchtern? Sie halten ja schon seit mehreren Jahren mit Jazz, politischen Diskussionen und Kinderprogrammen dagegen an.

Jetzt versuche ich die neue Linie auch in der Architektur umzusetzen. Schloss Elmau wird kaum noch protestantisch sein, sondern sehr katholisch vielleicht oder sehr kosmopolitisch. Das zeigt sich ganz wesentlich am Licht: Das Licht war bis jetzt protestantisch, grau, aschfahl, und in Zukunft wird es warm und glänzend sein. Katholisch. Das Hotel wird viel sinnenfroher werden, viel individualistischer. Das ändert den genetischen Code von Elmau schon sehr.

Und was bleibt dann noch?