Das Schöne an diesem Buch ist, dass keiner jammert: kein Klagen, kein Weinen, kein Heulen. Obwohl die Umstände danach wären. Hubert Horatio Bieber Burg-Bartels reiche Eltern verarmen so plötzlich, wie sie zuvor ihr Geld ausgegeben haben; wir erfahren von fröhlichen Partys, die die Eltern überall auf der Welt veranstalteten – ohne dass ihr Sohn, Hubert Horatio, Schaden nahm. Als Hubert Horatio die Lage erkennt, ahnen Mama und Papa noch nicht, dass sie arm wie Kirchenmäuse sind. Während einer Party ist der Wackelpudding ausgegangen. Der Koch ist schon weg, der Butler ernährt sich von Knäckebrot. Hubert Horatio macht seinen defekten Tischtennisschläger und eine Nachttischlampe zu Geld. Das reicht nicht. Also meldet er seine Eltern beim chinesischen Damespiel, bei Scrabble und Boggle zu Turnieren an. Sie gewinnen – und verfeiern den Sieg. Endlich bleibt nichts als der Umzug in eine billige Hochhauswohnung. Und Hubert Horatio stellt überrascht fest, dass es seinen Eltern dort gefällt: Alle Zimmer liegen auf einem Stockwerk, und sie haben eine einzigartige Aussicht. Hubert Horatio wird klar, dass sein Kakao auf dem Weg von der Küche zum Schlafzimmer der Eltern nicht mehr kalt wird.

Lauren Child’s Illustrationen sind rotzig frech, lustvoll bewegt sich die Schrift übers Blatt. Mal steht ein Satz auf einem Regalbrett, mal springt er wie ein Tischtennisball hin und her, mal folgt er dem verwinkelten Weg von Hubert Horatio über viele Treppen durchs Schloss oder legt sich auf Tischdecken. Unbekümmert verbindet Child verschiedene Techniken zu Collagen, die drastisch und schroff wirken, daher umso genauer von den Zuständen erzählen. Sie durchmischt Oberflächen von Stoffen und Fliesen, von Teppichen und Tapeten, nichts ist da, wo es hingehört und damit realistisch. Das Allerletzte, was dieses Buch vermitteln will, ist die pädagogische Lehre, Geld mache nicht glücklich. Wenn Lauren Child etwas erzählt, dann von einer überschäumenden Freude am Leben.Hella Kemper