Seit geraumer Zeit redet man davon, die Jungen der Bundesrepublik seien in der Krise - sie seien krimineller, schlechter in der Schule und hätten es offenbar schwerer als die Mädchen, sich in die Gesellschaft einzugliedern. Ein klares Rollenbild des Mannes gibt es nicht mehr, und Millionen Eltern sind mehr oder weniger verzweifelt, wie sie denn ihren maskulinen Nachwuchs zu sozial verträglichen Bürgern erziehen können. Frank Beusters analysiert dieses Problem umfassend. Sein Buch ist also längst überfällig, könnte man meinen. Doch übersehen Kritiker, die den angehenden Männern ein katastrophales Zeugnis ausstellen, nicht die Tatsache, dass zwar die Jungen die meisten Straftaten verüben, die Zahl der kriminellen Mädchen aber überproportional steigt? Dass weibliche Teenager zwar besser in der Schule sind, aber nur wegen pubertätsbedingter Umstellungen im Gehirn über einen höheren IQ verfügen - ein Unterschied, der sich mit Ende der Pubertät wieder ausgleicht? Dieses Buch aber lässt solche Fakten außen vor. Und seine Lösungsvorschläge gehen bedauerlicherweise nicht über eingestaubte Hausmittel wie gemeinsame Hausarbeit und gemeinsames Essen hinaus. Für Beuster sind die 68er und der mit ihnen eingezogene Verfall von Disziplin schuld am Niedergang des überforderten Geschlechts, das im Zeitalter des Postfeminismus keine männlichen Vorbilder mehr finde. Vielleicht ist das wahr. Vielleicht aber gleichen sich die Geschlechter einfach nur mit ihren Schwächen und Stärken aneinander an. Und ist das alles so dramatisch, dass man von einer Jungenkatastrophe sprechen sollte? Wer daran glaubt, dem könnte dieses Buch gefallen.

Frank Beuster: Die Jungenkatastrophe - Das überforderte Geschlecht,

Rowohlt Verlag, Reinbek 2006 - 351 S., 8,90 e