Das russische Gas fließt wieder. Niemand muss in diesem Winter in Deutschland wegen des russisch-ukrainischen Energiestreits frieren. Also abhaken und weiter Energie verbrauchen wie bisher? Sicher nicht, denn Öl und Gas werden immer knapper. Das ist Anlass genug, um unseren viel zu sorglosen Umgang mit Rohstoffen grundlegend zu überdenken.

Im vergangenen Jahr stellten viele Unternehmen schmerzlich fest, dass nicht nur Öl und Gas teurer wurden. Auch auf den Stahl- und Kupfermärkten stiegen die Preise. Der weltweite Rohstoffhunger - zusätzlich von großen Schwellenländern wie China getrieben - hat ernste Folgen für die Wirtschaft: Rohstoffe werden teurer und für manche Unternehmen - vor allem in ärmeren Ländern - vielleicht unerschwinglich. Gleichzeitig belastet der Rohstoffabbau die Umwelt immer mehr, weil rohstoffärmere und schwieriger zugängliche Lagerstätten ausgebeutet werden müssen.

Die Menschen in China, Indien und anderen Schwellenländern streben zu Recht nach demselben Wohlstand, wie der Westen ihn hat. Wächst der weltweite Rohstoffhunger jedoch weiter, drohen nicht nur neue Gesundheits- und Umweltschäden, sondern auch Versorgungsengpässe. Der Krieg um Öl und Wasser wurde schon oft kolportiert. Wer könnte ernste Konflikte um Stahl, Kupfer oder andere Metalle ausschließen?

Wir können das Schlimmste abwenden, indem wir mit unseren natürlichen Ressourcen deutlich effizienter wirtschaften. Nicht nur Energie lässt sich sparen. Auch mit anderen natürlichen Ressourcen (Metallen, Steinen und Erden sowie Flächen) lässt sich sorgsamer umgehen. Gut, dass die Politik dieses Weniger ist mehr voranbringen will: Im Koalitionsvertrag ist die Erhöhung der Energie- und Ressourcenproduktivität vereinbart. Und die Europäische Union hat im Dezember 2005 eine Strategie zum nachhaltigen Umgang mit natürlichen Ressourcen vorgestellt.

Zugegeben, die Ziele der EU-Strategie sind bislang nicht sehr ambitioniert: Die Ressourceneffizienz der EU soll pro Jahr um drei Prozent steigen. Da die EU zugleich mit einem Wirtschaftswachstum von drei Prozent rechnet, würde dies zwar eine Entkopplung von Wirtschaftswachstum und Ressourcenverbrauchssteigerung bewirken, nicht aber den Gesamtverbrauch mindern. Es ist somit nur ein erster Schritt - und es führt kein Weg daran vorbei, unser aktuelles Verbrauchsniveau absolut zu senken.

Die kluge Rohstoffnutzung bietet deutschen Firmen Chancen

Eine Patentlösung für den effizienteren Umgang mit Ressourcen gibt es nicht.