Käpt'n Iglo muss bei einem neuen Arbeitgeber anheuern. Nicht etwa weil Kinder seiner Fischstäbchen überdrüssig geworden sind, nein, sie lieben es immer noch, wenn die goldgelben Briketts in der Pfanne brutzeln. Erkaltet ist hingegen die Liebe von Patrick Cescau, dem Vorstandschef des britisch-niederländischen Konzerns Unilever. Er stellt den Großteil des europäischen Tiefkühlkost-Geschäfts von Unilever zum Verkauf - und damit vor allem die Marke Iglo, die nicht nur für Fischstäbchen, sondern auch für Schlemmerfilets, Rahmspinat und zahlreiche andere Produkte steht.

Die bevorstehende Trennung von rund zwei Milliarden Euro Jahresumsatz begründete Cescau vergangene Woche damit, dass die Tiefkühlsparte zwar viele Jahre lang ein erfolgreiches Geschäft gewesen, ein Verkauf jedoch unumgänglich sei. Es gebe in Europa kaum noch Wachstumsmöglichkeiten. In England geht das Geschäft sogar zurück.

Unilever ist ein Multimarkenkonzern: Er produziert Axe-Duschgel, Signal-Zahnpasta und Domestos-Kloreiniger, aber auch Lebensmittel wie die von Knorr, Becel und Du darfst. Iglo ist seit mehr als vierzig Jahren ein Dauergast in Gefriertruhen und auf Kindertellern. Der geplante Verkauf betrifft nicht nur eine Marke, sondern auch das Experiment, innerhalb der Nahrungsmittelindustrie nachhaltig zu produzieren - und das im Weltmaßstab.

Anders als Biobauern mit ihren Produktionsgenossenschaften ist Unilever ein echter Global Player, ebenso wie seine beiden Konkurrenten Nestlé und Danone.

Als Produzent von Markenware muss er den permanenten Warenfluss in gleichbleibender Qualität sicherstellen - keine leichte Aufgabe für ein Unternehmen, das bei Spinat für 28 Prozent Weltmarktanteil steht und bei Erbsen für 15 Prozent. Schwankt die Qualität zu stark, sind Alternativen auf dem Weltmarkt in solchen Mengen kaum zu beschaffen.

Zu den radikalen Ökos gehört Unilever zwar nicht - mehr als einmal bekam der Konzern Ärger mit Greenpeace. Die Umweltorganisation prangerte beispielsweise erst vor einigen Jahren in einem Zulieferbetrieb die Massentierhaltung von Puten an, die für Geflügelsalami von Du darfst bestimmt waren. Dennoch startete Unilever bereits in den neunziger Jahren einige Initiativen, um die Herstellung seiner Nahrungsmittel zu verbessern. Dazu gehören bis heute Pläne zur Reduzierung von Treibhausgasen, zur effizienteren Bewässerung, zu Abfallvermeidung und nachhaltiger Fischerei. Davon profitiert Iglo ganz besonders.

In der Produktpalette der Tiefkühlsparte ist Fisch zwar nicht die vom Umsatz her bedeutendste Ware, wohl aber die sensibelste. Fisch ist die einzige Ressource der industriellen Nahrungsmittelproduktion, die - trotz der zunehmenden Bedeutung von Aquakulturen - immer noch überwiegend wild gefangen wird. Weil aber nach Angaben der Welternährungsorganisation FAO rund drei Viertel aller Bestände vollständig genutzt, überbeansprucht oder komplett leer gefischt sind, droht der Fischindustrie irgendwann der Nachschub auszugehen.